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PRAEVENIRE begrüßt neuen Generalsekretär

Oliver Brosch
© LUDWIG SCHEDL

PRAEVENIRE begrüßt neuen Generalsekretär

Oliver Brosch
© LUDWIG SCHEDL

Mag. Oliver Brosch, MA ist seit Anfang Juni neuer Generalsekretär des gemeinnützigen Vereins PRAEVENIRE. PERISKOP sprach mit ihm über seine Motivationen und Ziele für diese bedeutende Aufgabe.

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Mag. Dora Skamperls

PERISKOP-Redakteurin

Mit Oliver Brosch als neuem Generalsekretär konnte sich der gemeinnützige Verein PRAEVENIRE einen Vollblut-Netzwerker mit viel Herz und intrinsischer Motivation an Bord holen. Brosch punktet mit umfangreicher Erfahrung und guten Kontakten in der Gesundheitspolitik, die er für das Wohl und die Gesundheit der Menschen in Österreich zum Einsatz bringen möchte. Wo könnte er das besser als bei einem der wichtigsten unabhängigen Akteure im Gesundheitswesen – der Plattform PRAEVENIRE, die seit 2015 als Plattform Expertinnen und Experten versammelt, um zu den brennendsten Themen im Gesundheitsbereich Handlungsempfehlungen an die Politik zu erarbeiten. Viele dieser in den PRAEVENIRE Weißbüchern und dem PRAEVENIRE Jahrbuch gesammelten dringenden Handlungsempfehlungen wurden von der Politik schon aufgegriffen und umgesetzt.

PERISKOPHerr Brosch, Sie kommen aus der Gesundheitspolitik und hatten in den letzten Jahren einige Stationen aus unterschiedlichen Perspektiven in diesem Bereich. Erzählen Sie, wie es dazu kam.

BROSCH: Begonnen habe ich meinen Weg im parlamentarischen Club im Wiener Landtag. Dort war ich bei Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec für Gesundheitspolitik in Wien zuständig. Später bin ich zum NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) gewechselt, wo ich u.a. für Kommunikation und Marketing verantwortlich war. Danach war ich beim Österreichischen Seniorenbund stellvertretender Generalsekretär, um dort Gesundheits- und Sozialpolitik voranzutreiben. Danach wurde ich Büroleiter von Landesrat Martin Eichtinger in Niederösterreich, der u.a. wieder den NÖGUS als Vorsitzender führte. Auch „Tut gut!“ – ein wichtiges Vorzeigeprojekt bei der Vorsorge – war Teil unseres Ressorts. In den letzten Jahren gelang es uns, in enger sozialpartnerschaftlicher Abstimmung u. a. mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) und der Ärztekammer das niederösterreichische Gesundheitswesen in einen Gleichklang zu bringen und gemeinsam Ideen im Sinne der Bürgerinnen und Bürger umzusetzen. Genau das soll das Ziel sein, wenn wir als gemeinnütziger Verein PRAEVENIRE evidenzbasiert Gesundheitspolitik machen: Den Menschen und die Patientin bzw. den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen und zu schauen, welche Projekte und Programme wir gemeinsam und auf Augenhöhe mit anderen Partnern gestalten und umsetzen können, sodass das Gesundheitswesen sich für die Menschen verbessert und vereinfacht.

Sie sind seit Anfang April neuer Generalsekretär des Vereins PRAEVENIRE und haben damit eine Funktion übernommen, in der Sie Weichen stellen können für die zukünftige Entwicklung des Gesundheitswesens in Österreich. Was haben Sie in den nächsten Monaten vor?

Die zentralen Themen sind ja bereits in den Weißbüchern und dem PRAEVENIRE Jahrbuch von unabhängigen Expertinnen und Experten evidenzbasiert erarbeitet und formuliert. Mein absolutes Herzensthema ist die Prävention, die Vorsorge. Dazu fallen mir die tägliche Bewegungseinheit an den Schulen ein, der Best-Agers-Bonuspass, die Aufwertung der Schulärztinnen und -ärzte, Förderung von Frühdiagnose-Programmen mit kürzeren Wartezeiten. Die Wartezeiten auf Diagnose und Therapie sind viel zu lang, das ist ein eklatanter Missstand. Auch stehen die Berufsrechte und Kompetenzerweiterung der Gesundheitsberufe, die GuKG-Novelle, ganz oben auf meiner Agenda, das muss endlich umgesetzt werden. Dann gibt es noch ein wichtiges Thema, die Verbesserung der Rahmenbedingungen für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Menschen, die so wichtige Erfahrungen weiter in ein Unternehmen einbringen möchten, sollten dementsprechend belohnt werden.

Was sind Ihre mittel- und längerfristigen Ziele und Vorhaben, wie möchten Sie sich für die Zukunft der Gesundheitspolitik in Österreich einbringen?

Mein Ziel ist, diese Organisation, den gemeinnützigen Verein PRAEVENIRE, weiterzudenken und noch stärker zu positionieren, so lautet auch der Auftrag unseres Präsidenten, des Bundesministers a. D. Dr. Hans Jörg Schelling. Ich möchte, dass wir als Thinktank agieren und für die Menschen im Land politisch netzwerken, noch mehr gesundheitspolitisch aktiv werden als bisher. Wir wollen mehrdimensional Bewusstseinsbildung betreiben, die evidenzbasierte Fachmeinung unserer zahlreichen Expertinnen und Experten in Richtung der Bevölkerung und der Entscheidungsträger verständlich moderieren, aber auch in Richtung der Medien. Im Verlauf des PRAEVENIRE Jahres sammeln wir Ideen aus allen möglichen Richtungen für unser Jahrbuch, in dem als „Konzentrat“ das Fachwissen in praktisch umsetzbare Handlungsempfehlungen umgelegt wird. Gesundheitspolitik ist das Bohren von sehr harten, dicken Brettern. Beim Umsetzen verfolgen wir die Taktik „steter Tropfen höhlt den Stein“. Es ist entscheidend, dranzubleiben und mit allen Stakeholdern nicht den kleinsten, sondern den größten gemeinsamen Nenner zu finden.

PRAEVENIRE ist eine parteipolitisch unabhängige, nicht den Interessen einzelner Gruppen verpflichtete Plattform. Wir agieren nicht nur für Patientinnen und Patienten, sondern für alle Menschen in Österreich. Denn unser wichtigstes Anliegen, die Prävention, soll ja verhindern, dass aus den Menschen Patientinnen und Patienten werden. Von der Prävention leitet sich der Vereinsname PRAEVENIRE ab, aus dem Lateinischen „vorbeugen, zuvorkommen“. Das PRAEVENIRE Logo symbolisiert den Irrgarten im Stift Seitenstetten, was ich persönlich sehr schön finde. Wir wollen aus dem Irrgarten, diesem Dickicht der Meinungen, der unterschiedlichsten Informationen herausführen zu einem gemeinsamen Ziel.

Wir werden auch die PRAEVENIRE Veranstaltungen und Formate überdenken. Hier sind wir für jeden Input dankbar, der von außen kommt. Jetzt gibt es die Chance, die Entwicklung von PRAEVENIRE und damit indirekt der Gesundheitspolitik mitzugestalten.

Mein absolutes Herzensthema ist die Prävention, die Vorsorge.

Gibt es Ideen, die Sie für die Zukunft wichtig finden, deren Umsetzung Sie aber eher nicht am Horizont sehen? Was wären Ihre Ansätze dazu?

Die Finanzierung aus einem Topf sehe ich nicht am Horizont. Das ist zwar für alle Stake- holder seit Jahrzehnten das angepeilte Ziel, von der Umsetzung sind wir aber weit entfernt. Zwischen Bund, Ländern, Sozialversicherung und zum Teil Gemeinden kommt es nicht zur gemeinsamen Linie, obwohl das ein Idealzustand wäre. Deshalb müssen wir, wie auch PRAEVENIRE Präsident Hans Jörg Schelling fordert, andere Lösungsansätze und gangbare Wege der Finanzierung finden, sonst wird es eng. Es kann nicht sein, dass trotz der Zusammenlegung der ÖGK eine Patientin oder ein Patient in Oberösterreich noch immer eine andere Kassenleistung erfährt wie in der Steiermark. Mir ist als Patient nicht wichtig, woher ich komme, sondern dass ich im extramuralen und intramuralen Bereich die bestmögliche Behandlung bekomme.

Wie hoch schätzen Sie die Aufgabe der Kommunikation für die Gesundheitspolitik in Österreich ein – holt die Politik die Menschen in Österreich ausreichend ins Boot, wenn es um wesentliche Entscheidungen geht?

Es wurden in den letzten Jahren, noch einmal angetrieben durch die Pandemie, wesentliche Mittel der niederschwelligen Kommunikation gut genutzt und ausgebaut – beispielsweise die Gesundheitshotline 1450. Während der Pandemie hat sich gezeigt, dass alle Stakeholder unbürokratisch im Sinne der Menschen gehandelt haben. Die Bevölkerung hat das auch sehr gut und positiv angenommen, beispielsweise das e-Rezept, die Lotsenfunktion von 1450 und den e-Impfpass. Das war eine eindrückliche Erfahrung, aus der wir viel mitnehmen konnten. Vieles davon wird bleiben und in den Regelbetrieb überführt, aber es bleibt noch einiges zu tun. Die Digitalisierung funktioniert nur mit einer klaren und barrierefreien Kommunikation. Der zentrale Ankerpunkt dabei ist, dass alle Partner auf unterschiedlichen Ebenen über Parteigrenzen hinweg eng zusammenarbeiten im Sinne der Menschen. Das ist genau der Punkt, wo der Verein PRAEVENIRE einen ganz wesentlichen Beitrag leisten kann als unabhängige Plattform für alle Stakeholder. Wir sind in Österreich schon sehr weit gekommen. Und jetzt heißt es, mutig zu sein, darauf aufzubauen, weiter voranzugehen.

Aus Ihrer internationalen Erfahrung heraus – gibt es Alleinstellungsmerkmale für die Zusammenarbeit mit den Stakeholdern in Österreich, die Ihnen die Aufgabe erleichtern?

Wir haben wesentlich bessere und mehr Gesundheitsdaten unserer Bevölkerung als in den meisten anderen Ländern und können deshalb auch besser planen. Wir verfügen über eines der mächtigsten Onkologie-Informationssysteme der Welt. Dennoch ist das nur ein kleiner Bruchteil dessen, was möglich und für die Zukunft auch notwendig ist. Auch wenn wir international um die Errungenschaften beispielsweise von ELGA bewundert werden, heißt das nicht, dass wir uns auf diesen Leistungen ausruhen können.

Ich habe international oft gehört, dass wir in Österreich wesentliche Eigenschaften mitbringen, die sehr geschätzt werden. Einerseits unsere offene Diskussionskultur und Tradition im Dialog auf Augenhöhe zwischen allen Stakeholdern. Die Sozialpartnerschaft wäre ja eines der wertvollsten Exportgüter, die wir haben – auf deren Basis haben wir uns über Jahrzehnte sozialen Frieden erhalten. Und andererseits unser Mut, neue Wege zu beschreiten, wenn es darauf ankommt – gepaart mit Disziplin und sehr viel persönlichem Engagement. Das zeichnet auch die im Gesundheitswesen Tätigen aus. Für die Politik bedeutet das, nicht nur Anerkennung zu zollen, sondern dieser auch Taten folgen zu lassen: deshalb die GuKG-Novelle, die Forderung nach einer Entlastung der Ärzteschaft bspw. durch mehr administrative Dienstposten und eine aktive Lotsenfunktion durch die Hotline 1450. Da sind sehr wichtige Initiativen bereits passiert oder auf Schiene, müssen aber noch weiter vorangetrieben werden. Der Verein PRAEVENIRE sieht sich auch in der Aufgabe, auf die Bedarfe hinzuweisen und die Umsetzung zu beobachten.

Gesundheitspolitik ist das Bohren von sehr harten, dicken Brettern.

Was ist Ihre intrinsische Motivation, das Generalsekretariat beim Verein PRAEVENIRE zu übernehmen, was treibt Sie an?

Ich selbst habe vor, alle Eindrücke und Ideen unserer PRAEVENIRE Mitglieder, Expertinnen und Experten einzuholen und darauf aufbauend den Verein PRAEVENIRE zu stärken. Der ehemalige ELGA-Geschäftsführer Franz Leisch hat ja bei PRAEVENIRE den Part des Chief Digital Officers übernommen, er ist ein absoluter Experte für die Digitalisierung des Gesundheitswesens und wird uns bei einer der wesentlichsten Säulen des zukünftigen Gesundheitswesens – bei Digital Health – zur Seite stehen. Wir beide werden unsere vielseitigen Erfahrungen gemeinsam für das Wohl und die Gesundheit der Menschen in Österreich einsetzen.

Der Verein PRAEVENIRE hat für mich das enorme Potenzial, sich nicht für eine einzelne Interessensgruppe oder politische Richtung zu engagieren, sondern – evidenzbasiert durch die Inputs der PRAEVENIRE Expertinnen und Experten aus allen Bereichen des Gesundheitswesens – alle anstehenden Thematiken und daraus resultierenden Forderungen neutral aus der Perspektive der Menschen bis zum Ende durchzudenken.

Wir wollen, dass aus gesunden Menschen nach Möglichkeit gar keine Patientinnen und Patienten werden – weil das Gesundheitssystem so effizient in der Vorsorge ist, dass die Menschen in Österreich optimal präventiv betreut werden. Dies zusammen mit einer wachsenden Bewusstseinsbildung für die eigene Gesundheit und die Möglichkeiten der Vorsorge wird in Zukunft ein wichtiger Grundstein für die Entlastung des Gesundheitswesens in Österreich sein. Ich möchte mich persönlich dafür engagieren, dass kein Mensch in Österreich mehr alleingelassen ist im System, wenn es doch zu einer Erkrankung kommt. Die Patient Journey soll in allen Details zu Ende gedacht werden, die Patientinnen und Patienten sollen jederzeit zum „Best Point of Service“ begleitet werden. Eine sinnvolle Gesundheitspolitik kann nicht mehr bedeuten, einfach noch mehr Geld ins System zu pumpen, sondern teilweise veraltete Strukturen grund- legend zu analysieren und echte Reformen durchzuführen.

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