Multimodale Rehabilitation

Multimodale Rehabilitation

Fotos: © Peter Provaznik

Integrative Behandlung für Schmerzpatienten

Rund 25 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher leiden unter chronischem Schmerz. Wie Menschen mit dem Schmerz umgehen und damit im Arbeitsalltag besser zurechtkommen können, darüber sprachen wir mit Prim. Dr. Silvia Brandstätter, Ärztlicher Leiterin des Gesundheitszentrums Andreasgasse der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) und Initiatorin der Multimodalen Schmerztherapie in Österreich.
Von Mag. Petra Hafner

PERISKOP: Der Begriff Schmerz umfasst zahlreiche Symptome, zunächst wird zwischen akutem und chronischem Schmerz unterschieden. Wann wird ein Schmerz als chronisch bezeichnet?

Brandstätter: Wir bezeichnen Schmerzen, die länger als zwölf Wochen dauern, als chronisch. Wenn Schmerzen kürzer als sechs Wochen dauern, sprechen wir von akuten Schmerzen. Das heißt, dass „akut oder chronisch“ nicht über die Intensität der Schmerzen, sondern über die Dauer definiert wird. Es gibt entsprechende Leitlinien, diagnostische Möglichkeiten und abhängig davon sinnvolle nachhaltig wirksame Therapien.

P: Das Gesundheitszentrum Andreasgasse der WGKK bietet eine „Multimodale Schmerztherapie“ für Menschen mit chronischen Nacken-, Rücken- oder Kreuzbeschwerden an. Was ist darunter zu verstehen?

Brandstätter: Wir sind vor allem auf Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen spezialisiert, die schon sehr lange Beschwerden haben und bereits viele Therapien durchlaufen haben. Gerade diesen Patientinnen und Patienten können wir eine sogenannte Multimodale Schmerztherapie anbieten. Nach einer interdisziplinären Abklärung – körperlich und psychosozial – wird für die einzelnen Betroffenen eine inhaltlich und zeitlich eng koordinierte Behandlung erstellt. Das durch ein Team von Fachärzten, klinischen Psychologen, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftern konzipierte Monatsprogramm umfasst 100 Stunden und beinhaltet sowohl eine Schulung der Patientinnen und Patienten als auch eine intensive Therapie durch das interdisziplinäre Team. Einerseits ist es uns wichtig, dass die Patientinnen und Patienten geschult und darüber informiert werden, welche Einflussfaktoren es auf ihren Schmerz gibt, wie sie damit umgehen und selbst darauf Einfluss nehmen können. Andererseits erhalten sie mit speziell ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Bewegungstherapien in der Gruppe, ein Kraft- und Ausdauertraining und ein gezieltes Alltagstraining. Sie erlernen Entspannungstechniken und haben die Möglichkeit einer psychologischen Schmerztherapie. Der Therapiefortschritt wird laufend besprochen.

P: Was ist das Besondere an der Multimodalen Schmerztherapie im Gesundheitszentrum Andreasgasse?

Brandstätter: Als Einrichtung der Wiener Gebietskrankenkasse entwickeln wir immer wieder Projekte und erkennen, ob diese gut angenommen werden. Auch die Multimodale Schmerztherapie ist aus einem Projekt entstanden, welches wir 2013 mit einer interdisziplinären Schmerzgruppe begonnen haben. Die Ergebnisse waren dermaßen überzeugend, dass die Multimodale Schmerztherapie mittlerweile etabliert ist und wir sie seit Jahresbeginn 2018 mit eigenen Räumlichkeiten und einer zuständigen Fachärztin offiziell anbieten. Dabei achten wir darauf, dass unsere Mitarbeiter fachlich kompetent sind. Alle Ärzte besitzen das Schmerzdiplom der Österreichischen Ärztekammer, unsere Psychologen haben das Schmerzcurriculum des Berufsverbands der Psychologen und die Physiotherapeuten weisen das entsprechende Diplom ihres Fachverbandes auf. Hinzu kommt, dass in unserem Institut die Patientinnen und Patienten sehr rasch mit der Therapie beginnen können. Es gibt eine Nachsorge, Empfehlungen und Kontrolltermine auch für die Zeit nach der Behandlung, die auf die jeweiligen Betroffenen abgestimmt sind. Eine Besonderheit ist auch, dass zusätzlich zur klassischen Intensivgruppe ein berufsbegleitendes Angebot nachmittags nach der Arbeitszeit zur Verfügung steht.

Mehr dazu in der Periskop Ausgabe #83

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