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Die Cancer Nurse – Neues Berufsbild in der onkologischen Pflege

Cancer Nurses als neues Berufsbild in der onkologischen Pflege
© Peter Provaznik

Die Cancer Nurse – Neues Berufsbild in der onkologischen Pflege

Cancer Nurses als neues Berufsbild in der onkologischen Pflege
© Peter Provaznik

Klinik News | Folge 1

Picture of Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hilbe

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hilbe

Präsident der OeGHO

Sämtliche Modelle der künftigen Entwicklung des Gesundheitsbereichs prognostizieren einen starken Anstieg von Krebserkrankungen. Der Grund: Die Menschen leben länger und werden älter. Krebs ist primär eine Erkrankung der älteren Menschen. Pro Jahr wächst der Anteil der über 65-jährigen in unserer Gesellschaft um 2,4 Prozent. Im gleichen Ausmaß wird daher auch die Inzidenz der Krebserkrankungen zunehmen. Da die onkologischen Behandlungen immer wirksamer werden und die Patientinnen und Patienten dadurch mit ihrer Krebserkrankung länger leben, brauchen sie auch länger medizinische Unterstützung. In Anbetracht dieser Entwicklungen müssen wir davon ausgehen, dass in zehn Jahren mindestens 40 Prozent mehr Fallzahlen in den Fachambulanzen zu bewältigen sein werden. Die dafür nötige Versorgung durch eine lineare Erweiterung der ärztlichen Kapazitäten zu gewährleisten, wird uns weder gelingen noch notwendig sein.

Zum einen entwickelt sich Krebsmedizin weiter und immer mehr Leistungen, die heute noch eines stationären Aufenthaltes bedürfen, können künftig ambulant und wohnortnah durchgeführt werden. Auch ist die routinemäßige Therapie-Verabreichung durch eine Ärztin, einen Arzt in vielen Fällen nicht nötig. Zum anderen haben wir nicht genügend (onkologisch ausgebildete) Medizinerinnen und Mediziner, die einen solchen Mehrbedarf decken könnten, von den daraus resultierenden Personalkosten ganz zu schweigen. Es besteht bereits heute ein großer Bedarf, ärztliches Personal zu entlasten, bestimmte Leistungen zu delegieren und gleichzeitig die Betreuung von unseren Patientinnen und Patienten zu verbessern. Dazu bedarf es einer teamorientierten Arbeitsstruktur unter Einbindung von qualifizierten Pflegekräften – nur gemeinsam können wir eine optimale Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen sicherstellen.

Obwohl in der Pflege derzeit generell ein Engpass herrscht und bis 2030 voraussichtlich 75.000 Pflegekräfte fehlen werden, könnte die Situation in der onkologischen Pflege durchaus entgegen dem allgemeinen Trend verlaufen. Denn gerade eine fachliche Vertiefung, verbunden mit einer weiterführenden akademischen Ausbildung, die ein selbständigeres und verantwortungsvolles Arbeiten im klinischen Alltag ermöglicht, gilt als attraktive Chance Pflegende zu halten und neue Perspektiven zu ermöglichen. Genau diese Punkte erfüllt das in Österreich noch neue Berufsbild der Cancer Nurse. Durch, in einem Masterstudium erworbene, hohe fachliche Kompetenz und praktische Erfahrung können sie maßgeblich Onkologinnen und Onkologen entlasten, die dadurch mehr Kapazitäten für jene Patientinnen und Patienten zur Verfügung haben, die deren Leistung brauchen. Cancer Nursing stellt auch eine Karriere-Perspektive für Pflegekräfte dar, die sich auch in der Bezahlung niederschlägt. In einigen Bundesländern Österreichs werden bereits einschlägige Studienangebote für Cancer Nursing angeboten, wobei diese noch höchst unterschiedlich ausgestaltet sind.

Deshalb haben sich die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) und die Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen (AHOP) das Ziel gesetzt, das Berufsbild der Cancer Nurse flächendeckend in ganz Österreich zu implementieren. Die gemeinsamen Forderungen dazu sind:

  • Definition eines österreichweiten Curriculums;

  • Anerkennung als Spezialbereich mit einer entsprechenden Bezahlung;

  • Schaffung von entsprechenden Dienstposten an den onkologisch tätigen Abteilungen.

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