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Neue ärztliche Leitung im Hanusch-Krankenhaus

Portrait von Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneuner
© LUDWIG SCHEDL

Neue ärztliche Leitung im Hanusch-Krankenhaus

Portrait von Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneuner
© LUDWIG SCHEDL

Das Hanusch-Krankenhaus stellt das Herzstück in der medizinischen Versorgungsleistung der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) dar. PERISKOP sprach mit dessen neuen medizinischen Direktorin, Priv.-Doz. Dr. Valerie Nell-Duxneuner, über die Herausforderungen, Konzepte und Ziele in der Patientenversorgung sowie über die Vorteile einer integrierten Versorgung.

Rainald Edel, MBA

Rainald Edel, MBA

Periskop-Redakteur

Im August 2022 hat Valerie Nell-Duxneuner die ärztliche Leitung des Hanusch-Krankenhauses übernommen, der größten der 89 Gesundheitseinrichtungen der ÖGK. Ein weiterer Karriereschritt für die Internistin, die sich als eine der ersten Frauen 2013 im Fach Rheumatologie habilitierte. Ihre internationale Ausbildung und langjährige Erfahrung als Internistin im Fachbereich Rheumatologie, Krankenhausmanagerin und stellvertretende Chefärztin der ÖGK haben Nell-Duxneuner geprägt. Sie ist Mitglied der österreichischen Heilmittelevaluierungskommission und der Ethikkommission der Medizinischen Universität Wien.

PERISKOP: Welche Herausforderung stellt die ärztliche Leitung eines so großen Gesundheitsbetriebes dar und welche Ziele haben Sie sich dafür gesetzt?

NELL-DUXNEUNER: Mir macht diese Aufgabe aus mehreren Gründen riesige Freude. Zum einen ist mir das Haus und seine Abläufe seit vielen Jahren eng vertraut, da ich nach meiner Ausbildung an der MedUni Wien – mit einer Unterbrechung, wo ich im Hauptverband der Sozialversicherungsträger die VPM – Vertragspartner Medikamente und auch die HEK die Heilmittelevaluierungskommission kennen gelernt habe – acht Jahre hier auf der 1. Medizinischen Abteilung beschäftigt war. Zum anderen kenne und schätze ich auch dessen Betreiber, die ÖGK, für die ich seit 2007 in verschiedenen Positionen tätig war, so unter anderem als ärztliche Leiterin des ebenfalls zur ÖGK gehörigen Rehazentrum Mein Peterhof in Baden und als stellvertretende Chefärztin der ÖGK und stellvertretende Fachbereichsleiterin des Medizinischen Dienstes. Ich bin der Meinung, dass die ÖGK auch die richtige Einstellung zum Betrieb eines so großen Krankenhauses hat. Denn hier werden Patientinnen und Patienten aus allen sozialen Schichten nach dem höchsten medizinischen Standard behandelt. Das ist ein Anspruch, den auch ich und meine Kolleginnen und Kollegen haben und den wir auch in der Ausbildung unseren jungen Kolleginnen und Kollegen mitgeben. Das ist eines unserer höchsten Assets. Das ist eine schöne und interessante Aufgabe. Allerdings müssen wir schauen, dass wir für diesen Anspruch auch in allen Bereichen immer am Ball bleiben.

Das Hanusch-Krankenhaus ist das einzige öffentliche Schwerpunktspital in der
Bundeshauptstadt, das nicht dem Wiener Gesundheitsverbund angehört. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit diesem?

Wir gehören zu den sieben Wiener Schwerpunktkrankenhäuser. Deshalb ist es sehr
wichtig, im Einklang mit der Stadt Wien und deren Krankenhäusern zu arbeiten, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die Abstimmung innerhalb Wiens wurde in Zeiten der Coronapandemie sogar noch intensiviert und hat sehr gut funktioniert. Ich würde sagen, dass es die Krankenhäuser noch mehr zusammengeschweißt hat. Wir haben in den letzten Jahren einige Dinge etabliert, die sehr gut funktionieren. So finden regelmäßige Abstimmungstreffen trägerübergreifend statt.

Patientinnen und Patienten aus allen sozialen Schichten nach dem höchsten medizinischen Standard zu behandeln, ist eine schöne und interessante Aufgabe, für die man allerdings immer am Ball bleiben muss.

Das Hanusch-Krankenhaus ist das einzige Spital der ÖGK und die Chance für die Gesundheitskasse unmittelbar zu analysieren, wo Nahtstellen zwischen intra- und extramuraler Versorgung liegen und wo welche Behandlung optimalerweise durchgeführt werden kann. Wie wichtig sind solche Informationen?

Seit rund zehn Jahren gibt es in Wien das Konstrukt unseres ÖGK-Gesundheitsverbundes, der ein Alleinstellungsmerkmal im Gesundheitswesen darstellt. Dieser umfasst unser Krankenhaus und fünf strahlenförmig über das Stadtgebiet verteilte Gesundheitszentren. Damit bieten wir tatsächlich eine integrierte Versorgung und können optimal mit den Vertragspartnern der ÖGK im niedergelassenen Bereich zusammenarbeiten. In der täglichen Praxis bewährt sich diese Versorgungskaskade. Wir sehen, dass die Ärztinnen und Ärzte des niedergelassenen Bereichs, die die generelle Betreuung der Patientinnen und Patienten gewährleisten, gerne an die Gesundheitszentren überweisen, wenn es speziellere, spezifischere Fragestellungen gibt. Denn hier stehen Fachärztinnen und Fachärzten aus den verschiedenen Bereichen zur Verfügung, die eng an die Fachbereiche hier am Haus angebunden sind. Wenn es um multimorbide
Patientinnen und Patienten, spezifische Therapien und ganz spezielle Abklärungen oder stationäre Betreuung geht, dann stehen wir mit unserem Leistungsportfolio zur Verfügung. Da die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zudem auch an allen Standorten innerhalb des Verbundes eingesetzt werden, können wir die Patientinnen und Patienten tatsächlich am Best Point of Service betreuen. Das ist ein Modell, das sehr zukunftsweisend ist und wir hier eine absolute Vorreiterrolle aber auch ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb des Gesundheitswesens innehaben. Durch die Fusionierung der Gebietskrankenkassen zur ÖGK ergibt sich nun die Chance, dieses Modell auf alle Bundesländer zu erweitern und das Hanusch-Krankenhaus österreichweit als Kompetenzzentrum zu etablieren. 

Durch die insgesamt 89 Gesundheitseinrichtungen der ÖGK, die neben den vorgenannten auch noch Rehabzentren, Sonderkrankenanstalten und zahnmedizinische Einrichtungen umfasst, haben wir natürlich einen guten Einblick und die Erfahrung, welche Versorgungsebene optimal für den jeweiligen Fall geeignet ist. Das ist ein Riesenvorteil für die ÖGK, denn wir haben die unvoreingenommene unabhängige Meinung von Expertinnen und Experten quasi im Haus.

Innovationen sind immens wichtig und es gilt kontinuierlich mit den Entwicklungen mitzugehen.

Die medizinische Forschung und Entwicklung sind von einer rasanten Dynamik
geprägt. Sie haben zuerst von der Notwendigkeit gesprochen immer am Ball zu bleiben. Welchen Niederschlag findet das in der ÖGK und am Hanusch-Krankenhaus?

Innovationen sind immens wichtig und es gilt kontinuierlich mit den Entwicklungen
mitzugehen. Dazu braucht es zum einen die nötige Infrastruktur und zum anderen auch die Unterstützung seitens des Trägers. Hier beweist die ÖGK ihre Kraft, indem sie den Neubau des Pavillon 6 und die Erweiterung unseres Zentral-OPs initiiert hat. Das bringt nicht nur Vorteile und Synergien, die schlussendlich den Patientinnen und Patienten zugutekommen, sondern auch die Möglichkeit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier am Haus noch besser im Team zu arbeiten und dabei die modernste Intrastruktur zu nützen. Eine dieser Innovation ist unser neuer OP-Roboter, den wir seit Anfang des Jahres haben und der bereits im urologischen sowie demnächst im chirurgischen Bereich im Einsatz steht. Patientinnen und Patienten profitieren dadurch in vielfacher Hinsicht. Denn damit lassen sich Eingriffe noch präziser, kleiner und mit noch weniger Blutverlust und Gewebezerstörung gestalten. Hinzu kommt, dass die Maschine auch den Tremor der Operateurin bzw. des Operateurs ausgleicht und so eine gleichbleibende Qualität über den gesamten Verlauf gewährleistet ist. Das ist ein wichtiger Zukunftsaspekt der Chirurgie. Daher ist es auch besonders wichtig, dass unsere jungen Kolleginnen und Kollegen lernen mit solchen Systemen umzugehen. Ein weiteres Beispiel für die Innovationskraft hier am Haus sind die zwei neuen Projekte auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Radiologie, die bei der Abklärung von Bildmaterial des Pet-CT und der Knochendiagnostik dienen. Fünf weitere KI-Projekte befinden sich bereits in der Pipeline. Gerade für die bildgebenden Fächer sehe ich den Einsatz von KI als essenziell. 

Noch weiter ausgebaut gehört die Vernetzung im digitalen Bereich. Wir stehen im Bereich der Digitalisierung erst am Anfang. Nicht nur die ÖGK, sondern das gesamte Gesundheitssystem. Durch die Coronapandemie hat dies einen irrsinnigen Schub bekommen. Jetzt ist es unsere Aufgabe diesen weiter zu verfolgen. Dafür ist die ÖGK aus meiner Sicht durchaus bereit im Sinne der Versicherten zu schauen, die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Ein Leuchtturmprojekt, das zugleich zeigt, was durch Digitalisierung möglich ist, sind die virtuellen Tumorboards, die wir schon implementiert haben. Diese bieten zum Beispiel den Teilnehmenden die Möglichkeit bei der Beurteilung eines Falles virtuell durchs Mikroskop auf das gleiche Präparat zu schauen. 

Ebenfalls eine Neuheit ist die interdisziplinäre onkologische Nachsorge-Ambulanz (IONA). Das Hanusch-Krankenhaus arbeitet mit den Gesundheitszentren in Form des hämatologischen Verbundes zusammen und versorgt damit circa 50 Prozent der hämatologischen Fälle in Wien. Um für die Tumorpatientinnen und -patienten nach erfolgreicher Therapie eine umfassende Betreuung noch ins Erwachsenenalter zu ermöglichen, wurde die IONA geschaffen, die eng an die Expertise der hämatoonkologischen Abteilung des Hanusch-Krankenhauses, angebunden ist. Damit konnten wir eine erfolgreiche Schnittstellenversorgung vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter aufbauen und den über die Jahrzehnte immer drängender werdenden Bedarf für die medizinische und psychosoziale Versorgung der geheilten Personen abdecken. 

Ebenfalls auf der Agenda hier am Haus steht eine Neuorganisation der zentralen Unfall und Notfallaufnahme (ZNA), für die wir die Strukturen für ein neues Triage System entwickeln. Damit wollen wir die Wege der Patientinnen und Patienten, die mit einem Unfall oder Notfall zu uns kommen, noch besser gestalten. Räumlich wird die ZNA im gleichen Trakt wie die Unfall- und Intensivstation sein.

Das Hanusch-Krankenhaus ist zwar keine Universitätsklinik, dennoch besteht
eine enge Verbindung zur Wissenschaft. In welchen Bereichen der Forschung ist es eingebunden?

Zum einen sind wir ein Lehrkrankenhaus der Medizinischen Universität Wien und Partner bei zwei Ludwig Bolzmann Instituten und zwei Karl Landsteiner Instituten und zum anderen haben wir hier am Haus mit dem Zentrum für Medizinische Genetik, die einzige Einrichtung dieser Art außerhalb des universitären Bereichs. Gerade der Bereich der Genetik gewinnt immer mehr an Bedeutung – nicht nur im onkologischen, sondern beispielsweise auch im osteologischen oder kardiologischen Bereich. Durch die immer stärker personalisierte Medizin und als Voraussetzung Targeted Therapies überhaupt anbieten zu können, braucht es die Voraussetzungen genetisch medizinische Untersuchungen. So ein Institut am Haus zu haben ist natürlich ein riesiges Plus in der Ausbildung junger Medizinerinnen und Mediziner.

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