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PRAEVENIRE Expert-Report

© Welldone

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Anlässlich der 8. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten vom 22. bis 26. Mai 2023 wurden Österreichs führende Gesundheitsexpertinnen und -experten im „PRAEVENIRE Expert-Report“ zu ihren Standpunkten befragt.

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Mag. Dora Skamperls

PERISKOP-Redakteurin

Der erste PRAEVENIRE Expert-Report, eine Befragung von 534 PRAEVENIRE Expertinnen und Experten aus den Bereichen Medizin, Politik, Verwaltung und Wirtschaft zeichnet ein klares Bild von den effektivsten Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung des österreichischen Gesundheitssystems.

Anlässlich der alljährlichen Top-Traditionsveranstaltung, die heuer vom 22. bis 26. Mai 2023 im Stift Seitenstetten stattfand, wurden führende Gesundheitsexpertinnen und -experten im „PRAEVENIRE Expert-Report“ zu ihren Standpunkten befragt.

Endlich ins Umsetzen kommen

PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling ruft die Politik zum Handeln auf: „Die Ergebnisse sind am Tisch – jetzt muss die Politik endlich ins Umsetzen kommen. Es ist hoch an der Zeit, den Fakten zu folgen und unabhängig von politischen Befindlichkeiten das Wohl jedes einzelnen Menschen in Österreich in den Mittelpunkt zu stellen. Denn ein funktionierendes Gesundheitswesen ist zentraler Ankerpunkt jedes Staates.“

In diese Bresche schlägt auch Dr. Alexander Biach von der Wirtschaftskammer Wien. In den letzten zehn Jahren seien die Kosten für Spitäler von elf Mrd. auf 16,4 Mrd. Euro angestiegen, Tendenz steigend. Das führe unweigerlich zum Kollaps des Gesundheitssystems. „Wir können nur mit der optimalen Vernetzung der Gesundheitsdaten und der Einführung digitaler Gesundheitsanwendungen unser Gesundheitswesen retten. Außerdem müssen die Strukturen in den Spitälern radikal geändert werden – weg von dem Denken, mehr Betten bedeuten eine bessere Versorgung.“

Umfrage
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Umfrageergebnisse zeigen Prioritäten auf“

Wenig überraschend, doch gerade für das Personal im Gesundheitswesen von besonderer Bedeutung ist das Ergebnis zum Betriebsklima und zur Wertschätzung. Demgemäß möchten 92 Prozent das innerbetriebliche Arbeitsklima verbessert sehen, während 88 Prozent der Expertinnen und Experten die öffentliche Wertschätzung für ihre Arbeit als wesentlichen Faktor einschätzen. Wertschätzung ist nur zum Teil finanzieller Natur, wie die Umfrage zeigt. Hier gilt es auch, über eine klare Kommunikation ein Bewusstsein in der Bevölkerung für den selbstverantwortlichen Umgang mit den unterschiedlichen Leistungen im Gesundheitswesen zu schaffen. Beispielsweise erachten 63 Prozent aller Befragten eine Stärkung der Lotsen-Funktion als sinnvoll – etwa durch eine Vorabzuweisung über 1450 bzw. eine WebApp, um zum besten Behandlungspunkt zu kommen. Sogar satte 83 Prozent sehen eine sogenannte Ambulantisierung, also die Stärkung von teilstationären bzw. ambulanten Therapien, als zielführend.

Damit in Zusammenhang steht eine klare Forderung der Umfrageteilnehmerinnen und Umfrageteilnehmer nach einer Entlastung von überhandnehmender Bürokratie. 93 Prozent votieren dafür, ein mitarbeiterorientiertes Management in den Gesundheitseinrichtungen zur Priorität zu machen. Das Gesundheitspersonal verwendet einen wachsenden Anteil der Arbeitszeit auf Dateneingabe, Verwaltung und Organisatorisches, anstatt sich den Patientinnen und Patienten zu widmen. Das wird allgemein als belastend empfunden – hier muss mit praktikablen Lösungen in der Digitalisierung und der Personalstruktur angesetzt werden, um die Situation rasch und nachhaltig zu verbessern. Damit geht auch eine Erweiterung der Kompetenzen des Gesundheitspersonals und der Berufsrechte einher. 80 Prozent der Befragten sehen das als notwendigen Schritt.

Eine satte Mehrheit aller Befragten sieht dringenden Handlungsbedarf bei den Honoraren und den Dienstzeiten. 92 Prozent der Expertinnen und Experten sehen die Attraktivierung der Dienstzeiten als wirksames Mittel zur Verbesserung des Krankenhausbetriebs. Das ist nicht die einzige Maßnahme, die in den Kliniken dringend erforderlich ist, aber eine der wichtigsten, die vorrangig umgesetzt werden muss. Denn zufriedenes Personal wird bereits kurz- und mittelfristig viele Sorgen in den Spitälern lösen. Rund 89 Prozent der Befragten sprechen sich für bessere Honorare aus – das würde unter anderem helfen, Wahlärztinnen und Wahlärzte abzubauen.

Die langen Wartezeiten auf Termine und in den Ambulanzen bringen laut der aktuellen PRAEVENIRE Umfrage besonders großen Leidensdruck und sind eine Gefahr für die Gesundheit der Österreicherinnen und Österreicher – denn lange Wartezeiten auf Arzttermine sind Stolpersteine für Früherkennung und Vor sorge. Laut Umfrage können Gruppenpraxen wesentlich zur Lösung des Problems beitragen. Im Hinblick auf die Wartezeiten zeigt die Befragung eine klare Präferenz für die Forcierung von Gruppenpraxen und Primärversorgungseinheiten (PVE). Eine deutliche Mehrheit von 87 Prozent der Befragten unterstützt diesen Ansatz, während sogar 89 Prozent die Vereinfachung von Gründungsmöglichkeiten für PVE als dringend notwendig erachten.

Unsere Pflegekräfte brauchen dringend Entlastung und die Lösung liegt auf der Hand: Wir brauchen attraktive Zuschüsse für die Pflege zu Hause, sagen 88 Prozent der Expertinnen und Experten. Damit könnte eine bessere Pflege für alle sichergestellt werden und unnötig lange Verweildauern in Spezialabteilungen von Krankenhäusern werden vermieden. Damit geht auch die Forderung nach einer einheitlichen Organisation der Pflege zur besseren Orientierung von Angehörigen sowie Pflegekräften einher, bspw. durch eine Pflege-Sozialversicherung (87 Prozent).

Umfrage
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Weniger Probleme, mehr Lösungen

Die 8. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten richten den Fokus weniger auf die Probleme des österreichischen Gesundheitssystems, sondern auf deren praktische Lösungen. Mit der aktuellen Umfrage weisen Top-Expertinnen und Experten den Weg in eine gesündere Zukunft.

Die Erkenntnisse aus dieser repräsentativen Befragung liefern fundierte Handlungsempfehlungen zur Stärkung des österreichischen Gesundheitssystems und verdeutlichen die Prioritäten der Fachleute im Gesundheitswesen. Es liegt nun an den politischen Entscheidungsträgern, diese wertvollen Erkenntnisse umzusetzen und einen nachhaltigen Weg zur Verbesserung unserer Gesundheitslandschaft einzuschlagen.

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