Smart — gesund — visionär

© Florian Wieser, © Peter Provaznik

Smart — gesund — visionär

© Florian Wieser, © Peter Provaznik

In den letzten Monaten formierten Stakeholdern des Gesundheitssektors eine Allianz, die gemeinsam ein visionäres Ziel verfolgt: Wien soll sich als Standort für internationale Spitzenmedizin klar positionieren, um den Weg der Stadt zur globalen Weltspitze in der Gesundheitsbranche zu ebnen. | von Mag. Julia Wolkerstorfer

Mit 26,7 Mrd. Euro trägt der Gesundheitssektor mehr als ein Viertel zur Wiener Volkswirtschaftsleistung bei. Damit hängt jeder vierte Wiener Job an der Gesundheitsbranche. Diese und weitere Ergebnisse präsentierte Standortanwalt Dr. Alexander Biach im Rahmen seiner umfassenden volkswirtschaftlichen Analyse des Wiener Gesundheitssektors, die er im Auftrag der Stadt Wien erstellt hat: „Wir wollen Wien als Standort für internationale Spitzenmedizin und als führende Innovationsdrehscheibe in der Gesundheitsbranche etablieren“, zeigt sich Biach optimistisch. Im Zuge einer Allianz, die u.a. repräsentiert wird durch Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke, Ärztekammerpräsident Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling, die Wiener Obfrau der Österreichischen Gesundheitskasse Dr. Kasia Greco, MBA, sowie die Wiener Industriellenvereinigung, wird Top-Expertise vereint, um gemeinsam die besten Ergebnisse für eine smarte Gesundheitsversorgung zu erzielen. Das Team rund um Standortanwalt Biach hat die volkswirtschaftlichen Effekte des Gesundheitssektors auf den Standort Wien und Österreich analysiert und berechnet. 
„Der enorme Impact der Wiener Gesundheitsbranche auf Volkswirtschaft und Arbeitsplätze ist beeindruckend. Darauf müssen wir aufbauen. Wien kann zur internationalen Medizinmetropole werden“, ist Biach überzeugt. Auch Peter Hanke, Wiener Wirtschaftsstadtrat, wirft einen optimistischen Blick in die Zukunft: „Spitzenmedizin, leistbarer Zugang zu Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen für alle, erfolgreiche Forschung und innovative Unternehmen machen Wien zu einem weltweit führenden Gesundheitsstandort. Damit das so bleibt und unsere Stadt diesen Status weiter ausbauen kann, braucht es starke Partnerschaften und eine zukunftsorientierte Wirtschafts- und Innovationsstrategie. Wien investiert in moderne Infrastruktur, in Forschung und Entwicklung, in die Förderung junger Talente sowie in qualifiziertes Personal.“

v. l.: Hans Jörg Schelling, Peter Hanke, Alexander Biach, Kasia Greco und Thomas Szekeres wollen Wien zur internationalen Innovationsdrehscheibe machen.

Der vergrößerte OP-Komplex des Hanusch-Krankenhauses ermöglicht den Betrieb von innovativen Roboter-assistierten Chirurgiesystemen.

Kasia Greco

Genesung verschnellern

Zu den aktuellen Leuchtturmprojekten der Stadt Wien zählen der Ausbau des Vienna Bio Centers, ein neues Technologiezentrum, der Bau des Hanusch-Pavillon 6, das Future Health Lab in CAPE-10 sowie die Weiterentwicklung des MedUni Campus AKH. Sie alle verfolgen ein gemeinsames Ziel: Den Menschen die beste medizinische Versorgung zu ermöglichen und das Genesungstempo dabei stets voranzutreiben. Dr. Kasia Greco, Wiener Vorsitzende der ÖGK, zeichnet ein zukunftsträchtiges Bild auf Basis der geplanten Innovationen im Hanusch-Krankenhaus: „Durch die Errichtung des modernen Pavillons 6 samt Kubaturerweiterung im Hanusch-Krankenhaus ermöglichen wir zahlreiche Neuerungen in der medizinischen Versorgung und Forschung auf über 10.000 m² Fläche. Hervorzuheben ist der neue, gebäudeübergreifende, vergrößerte OP-Komplex, welcher auch den Betrieb von innovativen Roboter-assistierten Chirurgiesystemen ermöglicht. Dadurch kann die Zahl der minimalinvasiven Eingriffe gesteigert und die Verweildauer weiter verkürzt werden. Durch die Schaffung neuer OP-Säle mit modernster medizinisch-technischer Ausstattung in den versorgungsrelevanten Fächern der Urologie und Gynäkologie sowie insbesondere in der Orthopädie-Traumatologie ist eine hochwertige medizinische Behandlung für die Wiener Bevölkerung im Hanusch-Krankenhaus sichergestellt“, so die Vertreterin der Versicherten der ÖGK. Die Initiative wird über ein PPP-Modell (Public-Private-Partnership) finanziert.

Stadt der internationalen Begegnungen

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Wiener und Österreichischen Ärztekammer, betont die Notwendigkeit, die Gesundheitsinfrastruktur auf Top-Niveau zu halten und dabei stets gesellschaftliche Entwicklungen zu reflektieren: „Zu einer erfolgreichen Gesundheitsmetropole gehört auch eine funktionierende Gesundheitsinfrastruktur. Die Basis dafür besteht in Wien zweifelsohne, aber Teile von ihr sind bereits etwas in die Jahre gekommen. Die Schwächen zu beheben, ist eine Aufgabe der Politik. Unsere Aufgabe ist es, die Schwächen aufzuzeigen, unser Know-how einzubringen und gemeinsam an Lösungskonzepten zu arbeiten. Großen Handlungsbedarf wird es in Zukunft insbesondere im Bereich der Pflege in Wien geben, bedingt durch eine wachsende und älter werdende Bevölkerung. Das werden wir nicht alleine durch das Ins-Land-holen von Pflegekräften aus Ost- und Südosteuropa lösen können. Hier wird es auch digitale Lösungsansätze geben müssen, eine Herausforderung für innovative Forscher und Entwickler und für den auf diesem Gebiet auch gut aufgestellten Wirtschaftsstandort Wien. Ich sehe da viele Möglichkeiten, wo sich Forschung und Innovation sinnvoll in den Gesundheitssektor einbringen können, etwa wenn Robotik unterstützend im Pflegebereich eingesetzt wird. Wichtig ist dabei immer, dass die menschliche Begleitung des technischen Fortschritts gewährleistet bleibt und die Maschine nie den Menschen komplett ersetzen darf.“

Sie haben tausend Wünsche, wenn Sie gesund sind. Sie haben einen Wunsch, wenn Sie krank sind, nämlich gesund zu werden.

Alexander Biach

Dr. Hans Jörg Schelling, Präsident von PRAEVENIRE, setzt fort: „Eine krisenfeste und finanzierbare Gesundheitsmetropole braucht 
— in Zeiten wirtschaftlicher und psychischer Belastung der Bevölkerung — eine ganzheitliche Reform, die die Bedürfnisse der Menschen stets in den Mittelpunkt stellt. Für ein fittes Gesundheitssystem müssen heute Entscheidungen getroffen werden, um im Sinne der Patientinnen und Patienten rasch in die Umsetzung zu kommen“, attestiert Schelling, der die Notwendigkeit sieht, das Gesundheitssystem Wiens und Österreichs auf ein neues Level zu transferieren: „Österreichs Spitzenmedizin genießt hohes internationales Ansehen. Dabei wird die Schnittstelle zwischen digitaler Wirtschaft und Medizin stets schmaler und verlangt nach einfachen, benutzerfreundlichen Lösungen. COVID-19 hat uns vor komplett neue Herausforderungen gestellt und sichtbar gemacht, dass österreichische und europäische Lösungen gestärkt werden müssen. Wir werden zukünftig effizienzsteigernd forschen müssen, sodass wir uns beispielsweise Präzisionsmedizin auch langfristig leisten können“, so Schelling. Auch für Mag. Johannes Höhrhan, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien, steht außer Frage, dass es stets Adaptierungen braucht, um die Gesundheitsinfrastruktur auf Spitzenniveau zu bewegen: „Eine Gesundheitsmetropole von Weltrang zeichnet sich nicht nur durch exzellente Forschung & Entwicklung aus, sondern vor allem auch durch modernste Produktionskapazitäten am Standort. Hier hat Wien mit seinen Pharma-Leitbetrieben schon heute Einiges vorzuweisen. Um das Potenzial in diesem Bereich noch besser ausschöpfen zu können und Wien auch noch stärker zu einer Metropole der Gesundheitsproduktion zu machen, wird es aber notwendig sein, in diesem Bereich laufend auf bestmögliche Rahmenbedingungen zu achten und diese im kontinuierlichen Austausch mit allen Stakeholdern weiter zu optimieren“, ist Höhrhan überzeugt.„Gesundheit und Medizin sind die Wachstumsbranchen der kommenden Jahre. Jetzt gilt es, die Infrastruktur auszubauen, jetzt ist es wichtig, die internationale Zertifizierungsstelle für Medizinprodukte nach Wien zu bringen“, formuliert Alexander Biach die nächsten Ziele.

Wiener Wirtschafts- und Innovations­strategie 2030

Der Wert der Gesundheit wird weiter steigen. Die Stadt Wien verfügt hierbei über vielfältige Potenziale, die im Rahmen der Wiener Wirtschafts- und Innovationsstrategie 2030 in mehreren Spitzenthemen aufgezeigt und begleitet von hochkarätigen Partnerschaften weiterentwickelt werden. Das Themenfeld „Gesundheitsmetropole Wien“ spielt eine essenzielle Rolle für den Wirtschaftsstandort Wien und ist relevant für Patientinnen und Patienten, Arbeitnehmende in einem Gesundheitsberuf, Unternehmerinnen und Unternehmer, für Ärztinnen und Ärzte, als Vertretende des Gesundheitssystems, der Pharmazie oder Forschung.

„Sie haben tausend Wünsche, wenn Sie ein gesunder Mensch sind. Sie haben einen Wunsch, wenn Sie ein kranker Mensch sind, nämlich gesund zu werden. Dennoch hat Gesundheit auch einen höchst unverzichtbaren Wert für den Wirtschaftsstandort. Genau diesen Wert haben wir analysiert“, leitete Standortanwalt Alexander Biach die hybrid organisierte Veranstaltung der Wiener Wirtschaftskammer im September 2020 ein. Bei dieser wurde nicht nur der volkswirtschaftliche Nutzen und die wirtschaftliche Relevanz des Gesundheitssektors sichtbar gemacht, sondern auch im Rahmen neuer Projekte und standortrelevanter Aktivitäten konkretisiert. Im Dialog mit Dr. Biach, Mag. Richard Gauss, Leiter der MA 24, Strategische Gesundheits­versorgung der Stadt Wien, PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling, Mag. Johannes Höhrhan, Geschäftsführer der IV Wien, Dr. Kaisia Greco, MBA, Obfrau der Landesstelle Wien sowie Dr. Michael Stampfer, Geschäftsführer des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds, wurden Möglichkeiten aufgezeigt, die Potenziale als Gesundheitsmetropole weiter zu heben.

Der Weg, den die Stadt hier beschreitet, ist aus Sicht der Wertschöpfungskette ein sehr guter. Der Standort Österreich kann durch diese Initiative massiv gestärkt werden.

Hans Jörg Schelling

Wien soll wieder international Schule machen

PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling, der auch im Rahmen der Erstellung des Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ stets auf mutige, neue Perspektiven setzt, steht einer Wiener Gesundheitsmetropole sehr zuversichtlich gegenüber. Er sieht Grundlagenforschung und Digitalisierung neben der Pflege als die wesentlichen Herausforderungen für die Zukunft: „Die Wiener Schule der Medizin 2.0 sollte darin gipfeln, dass wir bald wieder eine Wiener Nobelpreisträgerin oder einen Nobelpreisträger haben“, zeigte er sich optimistisch. „Dafür müssen wir zum einen experimentierfreudiger werden und zum anderen stets die Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt stellen.“ Eine gute Gesundheitsmetropole sollte sich darüber hinaus als Präventionsmetropole verstehen und nicht davor zurückschrecken, in die Gesundheit der Menschen zu investieren. Der Weg, den die Stadt hier beschreitet, sei aus Sicht der Wertschöpfungskette ein sehr guter. 

Damit Wien führender Gesundheitsstandort bleibt, braucht es starke Partner­schaften und eine zukunfts­orientierte Wirtschafts- und Innovationsstrategie.

Peter Hanke

Die Voraussetzungen, die Wien vorzuweisen hätte, wären hervorragend, womit der gesamte Standort Österreich massiv gestärkt werden könnte. „Die Gesundheit ist ein gigantischer volkswirtschaftlicher Faktor, denn wenn man es umrechnet auf das Gesamtvolumen des BIP in Österreich, sind wir bei über elf Prozent Anteil Gesundheit am BIP — das ist ein beachtlich großer Anteil“, führte Schelling fort. Auch im Bereich der Digitalisierung sieht Schelling große Chancen für Wien: „Wir werden Ärztinnen und Ärzte niemals ersetzen können, aber wir sind in der Lage, ihnen Tools in die Hand zu geben, die hier in Wien entwickelt werden und der Stadt dazu verhelfen, sich zu einer exzellenten Drehscheibe zu etablieren.“ Die weltberühmte Wiener Schule könne einen Relaunch erfahren, wenn wir es wagen, in neuen Strukturen zu denken.

FactBox

Wiener Gesundheitswirtschaft mit volkswirtschaftlichem Impact

– Die wichtigsten Ergebnisse der volkswirtschaft­lichen Erhebung durch den Standortanwalt:

– Mit einem Umsatz von 20 Mrd. Euro erwirtschaftet die Wiener Gesundheitsbranche 24,4 Mrd. Euro an Bruttowertschöpfung

– Fast 26,7 Mrd. Euro Beitrag zum Wiener Brutto­regionalprodukt, das sind 28 Prozent am gesamten Bruttoregionalprodukt

– In anderen Bundesländern löst die Wiener Ge­sundheitsbranche Effekte zum Bruttoinlands­produkt in Höhe von 3,7 Mrd. Euro aus

– 236.000 Menschen hängen direkt und indirekt an der Wiener Gesundheitsbranche

– Jobs für 30.000 Menschen werden in anderen Bundesländern durch die Wiener Gesundheitsbranche geschaffen

– Diese Beschäftigungsverhältnisse lösen knapp  12 Mrd. Euro staatliche Rückflüsse in Form von Steuern und Abgaben aus

– Größter Profiteur durch die Wiener Gesundheitswirtschaft ist mit 8,4 Mrd. Euro Umsatz der Handel. Neben dem direkten Medizinproduktehandel mit pharmazeutischen, medizinischen und orthopädischen Erzeugnissen löst der Gesundheitssektor mit seinen einkommensstärkeren Beschäftigten am meisten Umsatzeffekte auch in anderen Handelsbranchen (etwa Lebensmittelhandel, Textilhandel) aus.

Leitprojekte und Standort­aktivitäten

Innovative Projekte sollen optimale Voraussetzungen schaffen, damit sich Betriebe sowie Forscherinnen und Forscher langfristig in Wien niederlassen.

Ausbau der Forschungsinfrastruktur der Vienna Bio Center Core Facilities GmbH

Mag. Karin Dögl | Wirtschaftsagentur Wien

Förderpaket zur Entwicklung von Medizinprodukten und In-vitro-Diagnostika

Philipp Hainzl | LISAvienna

Health Challenge Vienna Innovative Lösungen für die Gesundheitsmetropole Wien

DI Regina Plas | Wirtschaftskammer Wien

Pavillon 6 Hanusch-Krankenhaus

Dr. Elisabeth Zwettler | Ärztliche Direktorin, Medizinische Leiterin Gesundheitsverbund der ÖGK

CAPE-10 Future Health Lab

Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn

Weiterentwicklung MedUni Campus AKH: Neue Ausbildungsmaßstäbe setzen

Dipl.-Ing. Dr. Michaela Fritz | Vizerektorin für Forschung und Inno­vation, MedUni Wien

© Florian Wieser, © Peter Provaznik

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