Krankenhausapotheker verbessern die Medikamentensicherheit

© KRISZTIAN JUHASZ

Krankenhausapotheker verbessern die Medikamentensicherheit

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Die klinische Pharmazie ist eine der jüngsten Teildisziplinen der Krankenhauspharmazie. In der Oberösterreichischen Gesundheitsholding GmbH (OÖG) hat sie in den letzten Jahren eine enorme Aufwertung erfahren.

Mag. Renate Haiden, MSc.

Mag. Renate Haiden, MSc.

Freie Redakteurin

Der gezielte, wirksame, sichere und wirtschaftliche Einsatz von Arzneimitteln in den Kliniken der OÖG und damit die Vermeidung von arzneimittelbezogenen Problemen ist eines der Hauptziele, die in der klinischen Pharmazie verfolgt werden. „Bereits im Jahr 2019, noch vor der Pandemie, wurde in der OÖG ein Konzept erarbeitet und mittlerweile in allen Kliniken umgesetzt, mit dem durch ein multiprofessionelles Team die Medikation so sicher wie möglich gestaltet werden soll“, gibt Dr. Harald Schöffl, Mediziner und Vorstandsdirektor der Oberösterreichischen Gesundheitsholding GmbH (OÖG) Einblick. Dem Konzept liegen vier tragende Säulen der klinischen Pharmazie zugrunde: Bei der Aufnahme werden in den Fächern Unfallchirurgie, Chirurgie und Orthopädie innerhalb von 24 bis 48 Stunden im Zuge eines Aufnahmechecks alle Patientinnen und Patienten gescreent. Während des Aufenthaltes begleiten klinische Pharmazeutinnen und Pharmazeuten die Visite und nehmen an Konsilien teil. Vor der Entlassung werden Medikationen auf die häusliche Medikation umgeschrieben, ökonomische Prüfungen durchgeführt und sogenannte „PIM-Listen“ zu potenziell inadäquater Medikation erstellt. Weitere Aufgaben sind unter anderem die Erstellung und Wartung von Generikalisten, die Erstellung eines Newsletters, die Mitarbeit in der Arzneimittelkommission oder die Beratung von Patientinnen und Patienten.

Mehrwert transparent darstellen

„Der Fokus der Arbeit liegt auf der Verbesserung der Patienten- und Medikamentensicherheit“, sagt Schöffl. Doch betont der Experte auch, dass die monetäre Darstellung des Mehrwerts der klinischen Pharmazie schwierig sei: „Dazu müssten eine Reihe von Faktoren berücksichtigt werden, wie etwa die eines abgesetzten, veränderten oder neu verordneten Medikamentes. Auch die möglichen Langzeitfolgen eines arzneimittelbezogenen Problems, zum Beispiel durch Nierenversagen oder erhöhte Mortalität müssten ins Kalkül gezogen werden.“ Eine ökonomische
Bewertung müsste auch verlängerte Krankenhausaufenthalte oder die Edukation des Gesundheitspersonals zur kontinuierlichen Verbesserung betrachten. „Daher orientieren
wir uns bei der Bewertung an internationalen Studien, die belegen, dass arzneimittelbezogene Probleme im Schnitt zu vier Tagen mehr Liegezeit im Spital führen“, sagt Schöffl.

Eine Studie von Bates et al gibt die Aufenthaltsdauer mit plus 4,6 Tagen an, wenn
Patientinnen und Patienten eine vermeidbare Nebenwirkung aufgrund eines arzneimittelbezogenen Problems aufweisen im Vergleich zu jenen, die keine Nebenwirkungen hatten. In der Analyse von Classen et al wurde das Auftreten von Nebenwirkungen sogar mit
einem erhöhten Mortalitätsrisiko assoziiert. Auch hier führten Nebenwirkungen zu einem
im Schnitt um 1,9 Tage längeren stationären Aufenthalt. „Aus unserer Sicht ist schon allein
die höhere Patientensicherheit ein wesentlicher Mehrwert der klinischen Pharmazie“,
betont Schöffl. Dafür sorgen 34 Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in der OÖG, allein neun davon sind für klinisch-pharmazeutische Fragen die Ansprechpartner.

Beachtliche Einsparungspotenziale

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigt unter anderem das Ergebnis im Jahresbericht 2021:
Von insgesamt 46.500 Konsultationen mit Patientinnen und Patienten wurden bei knapp
30.000 aufgrund der Empfehlung der klinischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten die Medikation umgestellt, um arzneimittelbezogene Probleme zu verhindern. „Wenn wir mit sehr konservativen Schätzungen davon ausgehen, dass dadurch nur ein Belegtag pro detektiertem Fall eingespart wurde, so wären das 15,5, Millionen Euro.“ Damit auch künftig die Kostensparpotenziale lukriert werden können, arbeiten Schöffl und sein Team am Ausbau der Telepharmazie, an der Implementierung von Abteilungspharmazeutinnen und -pharmazeuten. Ein Pharmacockpit soll bis zum Jahr 2026 umgesetzt werden, das alle relevanten Zahlen übersichtlich in einem Dashboard darstellt

Facts & Figures

Die Oberösterreichische Gesundheitsholding GmbH (OÖG) ist mit der Beteiligung am Kepler
Universitätsklinikum Oberösterreichs größter Krankenhausträger und beschäftigt rund 15.300
Mitarbeitende. Neben dem Kepler Universitätsklinikum in Linz betreibt die OÖG fünf Regionalkliniken an acht Standorten. Das Salzkammergut Klinikum und das Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum sind Schwerpunktkrankenhäuser. Darüber hinaus hält die OÖG Beteiligungen an der Landespflege- und Betreuungszentren GmbH, an der LKV Krankenhaus Errichtungs- und Vermietungs-GmbH sowie am Therapiezentrum Gmundnerberg, an der Kinder-Reha Rohrbach „kokon“ und an der Rehaklinik Enns. Im Bereich der Ausbildung betreibt die OÖG an jedem Klinikstandort eine Schule für Gesundheits- und Krankenpflege mit unterschiedlichen Ausbildungsschwerpunkten und ist zudem an der FH Gesundheitsberufe OÖ beteiligt.

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