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Die Cancer Nurse – Wertvolle Unterstützung in der onkologischen Pflege

© Stefan Voitl

Die Cancer Nurse – Wertvolle Unterstützung in der onkologischen Pflege

© Stefan Voitl

Klinik News | Folge 2

Harald Titzer, BSc, MSc

Harald Titzer, BSc, MSc

Präsident der AHOP

Wir müssen davon ausgehen, dass durch den kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung in zehn Jahren mindestens 40 Prozent mehr Krebsfälle zu bewältigen sein werden. Der bloße Ruf nach mehr Personal, wird aber zu kurz greifen. Denn die Zahl der hoch spezialisierten Onkologinnen und Onkologen wird nur begrenzt erweiterbar sein. Um die Versorgung und Betreuung weiter qualitativ hochwertig zu gewährleisten, werden nicht nur in den Krankenhäusern, sondern auch extramural mehr onkologisch qualifizierte Personen brauchen.

Bereits heute ist es notwendig, ärztliches Personal zu entlasten und gleichzeitig die Betreuung der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Im Gegensatz zur Langzeitpflege ist die Onkologiepflege nur sehr am Rande vom allgemeinen Pflegenotstand betroffen, so dass hier
noch eine Kapazitätsreserve vorhanden ist. Die Attraktivität dieses Fachgebietes liegt nicht zuletzt auch daran, dass Onkologie in Österreich fast ausschließlich an ausgewiesenen Expertenzentren bzw. Universitätskliniken betrieben wird und auf komplexer, schneller und interessanter medizinischer Entwicklung beruht. Gleichzeitig stellt sie hohe Anforderungen an Pflegepersonen.

Seit der Pflegereform 2016 ist das Pflegepersonal viel stärker in das Akutmanagement der Patientinnen und Patienten eingebunden. So ist beispielsweise die routinemäßige Therapie-Verabreichung durch eine Ärztin, einen Arzt in vielen Fällen nicht nötig. Da das
Pflegepersonal in der Praxis häufig als erstes mit Therapie-Nebenwirkungen konfrontiert ist, hat
man begonnen, Pflegepersonen an der Onkologie und Hämatologie intensiv zu schulen, auszubilden und auf diese Fälle vorzubereiten. Dadurch wurde es möglich, dass
das Infusionsmanagement auf den Stationen und in Tageskliniken österreichweit auf entsprechend geschulte Pflegepersonen, den Cancer Nurses, übertragen wurde. Um die Krankenhäuser effizienter zu organisieren, braucht es eine teamorientierte Arbeitsstruktur, in der qualifizierte Pflegepersonen noch stärker in die Patientenbetreuung eingebunden sind. So
wickeln beispielsweise in den USA Cancer Nurses den ganzen Bereich der Aufnahme auf eine onkologische Station, Eingangsuntersuchungen etc. ab. Nur für den tatsächlich notwendigen Bereich im Patientengespräch kommt dann die Onkologin, der Onkologe hinzu.
Die fachliche Vertiefung und Aufwertung des Berufsbildes in der onkologischen Pflege, bietet sich für eine weitere Akademisierung in der Ausbildung an. In der Beschreibung des Berufsbildes der Cancer Nurse haben wir uns an der international gängigen Definition orientiert: Diese ist eine Pflegefachperson, die eine akademische oder nicht akademische Fachweiterbildung im Bereich Onkologie hat. Zwar bieten einige Bundesländer bereits einschlägige Studienangebote an, diese sind jedoch höchst unterschiedlich ausgestaltet. Es ist daher notwendig, dass das Ministerium mit der Fachgesellschaft in Beratungsfunktion einen Mindestausbildungsstandard festlegt. 

Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO) und die Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen (AHOP) haben sich das Ziel gesetzt, das Berufsbild der Cancer Nurse flächendeckend in ganz Österreich zu implementieren. Die gemeinsamen Forderungen dazu sind:

  • Definition eines österreichweiten Curriculums;

  • Anerkennung als Spezialbereich mit einer entsprechenden Bezahlung;

  • Schaffung von entsprechenden Dienstposten an den onkologisch tätigen Abteilungen.

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