Ziel erreicht? Was in neun Jahren geschah

Ziel erreicht? Was in neun Jahren geschah

v.l.: Präsident Franz Fischler und Generalsekretär Philippe Narval beim PERISKOP-Interview im Palais Coburg, Wien
v.l.: Präsident Franz Fischler und Generalsekretär Philippe Narval beim PERISKOP-Interview im Palais Coburg, Wien

 

Die Weichen sind gestellt. 2021 übernimmt eine neue Mannschaft das Ruder des Europäischen Forums Alpbach. Welche Änderungen und Erfolge in ihrer neunjährigen Amtszeit gelungen sind, schildern Präsident Franz Fischler und Generalsekretär Philippe Narval im PERISKOP-Interview. | von Rainald Edel, MBA

 

Der Kandidat für die Nachfolge Franz Fischlers als Präsident des Europäischen Forums Alpbach (EFA) steht fest. Bei der Generalversammlung am 14. Mai wurde Dr. Andreas Treichl für die Position vorgeschlagen und bereits zum Vizepräsidenten gewählt. Mit einem neuen Vorstandsteam wird er ab Frühjahr 2021 das EFA leiten. Der langjährige Generalsekretär und Geschäftsführer des EFA, Philippe Narval, MSc, wechselt im Herbst ins International Advisory Board des Forums. Die Position des Generalsekretärs wird der Unternehmer und Investor Mag. Werner Wutscher, MBA, übernehmen, der bereits seit vielen Jahren beim Europäischen Forum Alpbach engagiert und seit zwei Jahren Mitglied des EFA-Vorstands ist. Bis zur Übergabe an die Nachfolger bleiben Präsident Fischler und Generalsekretär Narval allerdings noch genug zu tun. Im 75. Jahr seit seiner Entstehung muss sich das Forum aufgrund der Corona-Situation gewissermaßen neu erfinden. So wird das Forum heuer in sehr reduzierter Form und unter strenger Einhaltung aller behördlichen Vorgaben in Alpbach stattfinden und gleich­zeitig zu einer Online-Konferenz einladen.

 

PERISKOP: Rückblickend auf das Jahr 2012. Sie haben sich bei der Übernahme der Präsidentschaft Ziele gesteckt. Konnten Sie diese erreichen?

FISCHLER: Der Plan war, dem Namen „Europäisches Forum“ besser gerecht zu werden und auch eine Internationalisierung zu erzielen. Als ich begonnen habe, lag der Schwerpunkt bei den Teilnehmenden und Vortragenden auf Österreich und den Balkanländern. Das westliche Europa war deutlich unterrepräsentiert. Nahmen an der Seminarwoche zu Anfang Studentinnen und Studenten aus 30 bis 40 Ländern teil, sind mittlerweile 100 Nationen vertreten. Ähnlich verhält es sich bei den diversen Gesprächen und Symposien. Einziger Wehrmuts­tropfen: Wir sind bei der Internationalisierung der Referentinnen und Referenten wesentlich weiter gekommen als bei den Teilnehmenden. So sind beispielsweise die Wirtschaftsgespräche für meinen Geschmack noch zu österreichisch.

Sie haben zeitgleich mit Franz Fischler die Geschäftsführung des Europäischen Forums Alpbach übernommen. Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Forum in den letzten neun Jahren entwickelt?

NARVAL: Diese neun Jahre waren für mich das Schleifen eines Rohdiamanten. Alpbach hat aufgrund seiner Geschichte und Tradition ein großes Potenzial und es war ein Geschenk, sich an diesen Schatz heranmachen zu dürfen. Alpbach ist in diesen Jahren internationaler, kreativer und mutiger geworden im Dialog und Zusammenbringen ganz unterschiedlicher Stakeholdergruppen.

 

Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

NARVAL: Wir haben ein Stipendienprogramm mit vornehmlich Teilnehmenden aus Zentral­europa und dem Balkanraum übernommen. Heute kommen die 650 Stipendiantinnen und Stipendiaten unseres Jugendprogramms aus über 100 Nationen. In einer Zeit, in der globale Spannungen immer mehr zunehmen, wird es immer wichtiger werden, über Grenzen hinweg junge Menschen zusammenzubringen. Das sind Netzwerke, die diese jungen Leute aufbauen, die sie ihr Leben lang begleiten werden. Alpbach ist in diesem Sinn einzigartig und mit keiner anderen Veranstaltung vergleichbar.

 

Sie sprachen zuerst an, dass Alpbach auch kreativer wurde. Was kann man sich darunter vorstellen?

NARVAL: Wir haben uns getraut, Kunst und Kultur ins Forum zu integrieren. Dies hat einen emotionalen Zugang zu Themen geschaffen. Beispielsweise als bei der Eröffnung der Gesundheitsgespräche eine Tänzergruppe mit Menschen mit Behinderungen aufgetreten ist und deren Probleme thematisiert hat.

 

Sie haben nicht nur die Publikumsstruktur verändert, auch in anderen Bereichen setzten Sie Schritte. Was hat sich alles geändert?

FISCHLER: Wir haben auch recht rasch gemerkt, dass die Ausstattung des Kongresshauses schwach war — das haben wir großzügig ausgebaut und verfügen derzeit über eine der modernsten Konferenzfazilitäten, die es in Europa gibt. Als wir begonnen haben, war auch die finanzielle Ausstattung ein großes Problem. Wir haben das Budget mehr als verdoppelt. Uns ist es gelungen, das nötige Geld zu über 95 Prozent aus privaten Quellen zu beziehen. Das macht uns sehr selbständig und unabhängig.

Und als dritter Punkt: Früher war es bei den politischen und Wirtschaftsgesprächen üblich, dass der zuständige österreichische Minister und die Präsidenten der Sozialpartner nach Alpbach gekommen sind und dort bei einer Pressekonferenz ihr Herbstprogramm ver­kündet haben. Das konnten wir abstellen.

 

Der Plan war, dem Namen„Europäisches Forum“ besser gerecht zu werden und sowohl eine Internationalisierung der Teilnehmenden zu erreichen als auch die Räumlichkeiten und Veranstaltungen auf den international modernsten Standard zu heben.

Franz Fischler

 

Neuausrichtung

Eines der ersten Projekte, die Sie in Angriff genommen haben, war die digitale Präsenz von Alpbach. Wie konnten Sie das Forum digital positionieren?

NARVAL: Wenn man einen Change-Prozess starten und eine langfristige Zukunftsstrategie verfolgen will, läuft man gegen Mauern, wenn man nicht schon im Vorfeld Bilder präsentieren kann, wie die angestrebte Zukunft ausschauen soll. Da es uns ein Anliegen war, das Forum zu erweitern und neue Aspekte einzubringen, lag es nahe, auch die Corporate Identity entsprechend neu aufzubauen. Um allen wichtigen Stakeholdern einen Geschmack zu geben, wohin die Reise gehen soll, haben wir gleich zu Beginn im optischen Auftritt auf jene Bereiche gesetzt, die uns wichtig waren, wie junge Menschen, Kunst und Kultur. Der Abschluss der digitalen Reform wird erst heuer schlagend — wir konnten bei der Anmeldung endlich die Papierform hinter uns lassen und man kann sich ab nun zeitgemäß digital anmelden. Die Digitalisierung des EFA macht sich heuer bezahlt, indem wir den Hauptfokus auf eine internationale Online-Konferenz legen können, an der sich auch über 40 Alumni Clubs und viele Partnerorganisationen inhaltlich beteiligen.

 

Auch inhaltlich hat sich das Forum in den letzten neun Jahren gewandelt.

FISCHLER: Eine der zentralen Fragen, die wir 
uns gestellt haben, war, wie man aktuelle Themen diskutieren kann und gleichzeitig eine gewisse Struktur hineinbringt. Wir haben beschlossen, uns auf einige Themen zu konzentrieren, wie die Grund- und Menschenrechte bzw. Demokratie, Europa und wie es in der Welt gesehen wird sowie das Thema Nachhaltigkeit.

 

Ein großer Schatz von Alpbach sind die jungen Menschen. Welche Neuerungen konnten Sie für dieses Publikum umsetzen?

FISCHLER: Uns war es zu wenig, Alpbach „nur“ als Diskussionsplattform zu positionieren. Wir wollten einen Impact erzielen. Dazu haben wir einige wiederkehrende Projekte, die sehr gut funktionieren, beispielsweise das Format „Alpbach in Motion/AIM“. Hierbei laden wir Unternehmen, Start-ups und einige ausgewählte NPOs ein, ihre High Potentials für das Programm zu nominieren. Diese europäischen Nachwuchsführungskräfte tauschen sich im Vorfeld der Wirtschaftsgespräche drei Tage lang über gesellschaftsrelevante Wirtschaftsthemen aus. Ziel ist, in einem interaktiven Setting die Zukunft der Führung in Europas Wirtschaft zu diskutieren und die eigene Rolle darin zu reflektieren und dabei zugleich Kontakte zu knüpfen, die prägend für das weitere Berufsleben sind.

NARVAL: Ein Bereich, in dem bislang zu wenig getan wurde, auch bei uns, ist das Thema Innovation in Bildung und Lehre. Hier ist es uns im Vorjahr gelungen, in unserer Seminarwoche, die vorrangig für die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Verfügung steht, die verschulte Struktur aufzubrechen. Heute fokussiert sich ein Teil des Programms auf erfahrungsbasiertes Lernen mit Seminaren zu Führung — in Zusammenarbeit mit der Militärakademie — oder auf kreative Seminare — unter anderem in Zusammenarbeit mit der Royal Academy of Dramatic Arts in London. Damit schaffen wir neue Perspektiven und vermitteln, dass die Welt mehr ist als nur Wissensvermittlung. Wie man Menschen zu kreativer und konstruktiver Kooperation bringt, ist meiner Meinung nach die Herausforderung des 21. Jahrhunderts, auf die wir junge Menschen vorbereiten wollen.

 

Diese neun Jahre waren für mich das Schleifen eines Rohdiamanten. Alpbach ist in 
diesen Jahren internationaler, kreativer und mutiger geworden.

Philippe Narval

 

Sie haben ja nicht nur das Forum umgebaut, sondern auch im Rahmenprogramm mit manchen Traditionen gebrochen. Was war dabei Ihre Motivation?

FISCHLER: Der Tiroltag war traditionell eher 
ein Social Event für Landespolitikerinnen und -politiker. Wir haben es geschafft, diesen Tag zu einem Euregio Event umzugestalten, bei dem Südtirol, die Provinz Trient und das Land Tirol vertreten sind. Inhaltlich wurden die Tiroltage an das jeweilige Jahresthema angebunden, das vom EuregioLab, einer Arbeitsgruppe bestehend aus über 40 ausgewählten Wissenschafterinnen und Wissenschaftern, Kulturschaffenden und Vertreterinnen und Vertretern von Interessensverbänden aus allen drei Landesteilen, konzipiert wird. Heuer haben wir beispielsweise das Thema „Euregio fundamentals“, die Grundlagen der Europaregion. Wir stellen uns dabei die Fragen: Was sind die Grundwerte der Europaregion? Was verbindet die Menschen der drei Landesteile und wie soll sich die Kooperation aufbauend auf ihren Fundamenten weiterentwickeln?

 

Ganzjährig EFA Veranstaltungen

 Alpbach findet nicht ausschließlich im Sommer statt, was tut sich in den anderen Monaten?

NARVAL: Wahrgenommen werden wir natürlich in erster Linie für den August. Aber wir haben zum Beispiel mit dem Wiener Konzerthaus eine sehr erfolgreiche Diskursreihe entwickelt. Dadurch ist es uns gelungen, das Forum für jene Menschen zu öffnen, die nicht nach Alpbach kommen. Zudem arbeiten wir an einigen konkreten Vernetzungsinitiativen, die nicht so öffentlich bekannt sind. Zum Beispiel die im Vorjahr gegründete Initiative „Re:think Alliances“ für Demokratieaktivistinnen und -aktivisten unterschiedlicher politischer Ausrichtung, denen die Stärkung des Rechtsstaates in Europa ein Anliegen ist. Wir haben festgestellt, dass die Aktivistinnen und Aktivisten oft ähnliche Probleme und Erfahrungen haben, sich aber untereinander nicht kennen.

FISCHLER: Alpbach unterm Jahr gibt die Möglichkeit, das Thema des Forums schon im Vorfeld sichern zu lassen. Umgekehrt gibt es immer wieder aktuelle Anlässe, auf die man spontan reagieren kann.

 

Flexible Programmanpassung

Wenn man auf die letzten Jahre zurückblickt, dann sticht das Jahr 2015 hervor. Inwieweit haben Sie die damalige Flüchtlingskrise gespürt?

NARVAL: Wir haben Alpbach als neutralen Ort des Dialoges etabliert. Inmitten der Flüchtlingskrise 2015 ist es uns gelungen, binnen drei Wochen ein für Europa beispielhaftes Format auf die Beine zu stellen, bei dem wir über 120 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zusammengebracht haben, die dadurch voneinander Konzepte im Umgang mit Flüchtlingen lernen konnten und Ideen zur Integration entwickelt haben.

FISCHLER: Die Bürgermeisterinnen und Bürger­meister sind jene Politikergruppe, in die die Bevölkerung nach wie vor das meiste Vertrauen hat. Wir haben nach der Flüchtlingskrise 2015 noch drei Mal ein Bürgermeistertreffen mit jeweils über 100 Teilnehmenden gemacht — das hatte schon eine Wirkung.

NARVAL: Hier ist auch unsere Methodenkompetenz zum Tragen gekommen. Diese Treffen wurden gut dialogisch moderiert und wir haben auch viel Wissen dabei generiert — beispielsweise das erste Handbuch für Integration.

 

Kann man Alpbach als Ort definieren, der Grenzen, wo immer sie bestehen, überwinden möchte?

NARVAL: Absolut. Das bringt uns in die Gegenwart zur aktuellen Corona-Krise. Die ist insofern atypisch, da man ihr mit linearen Lösungen beikommen kann. Die Probleme des 21. Jahrhunderts sind aber normalerweise systemischer Natur. Sie sind vernetzt, hochkomplex und man kann sie nicht nur aus einer Fachperspektive bearbeiten. Hier ist es uns gelungen, durch die Vernetzung von jungen Menschen und Künstlerinnen und Künstlern mit den Expertinnen und Experten aus Politik und Wissenschaft die Möglichkeit für alternative Blickwinkel auf ein Thema zu schaffen.

FISCHLER: Mit „Re:think Austria“ haben wir beispielsweise ein Format geschaffen, bei dem sich junge politische Führungskräfte aus Österreich über Parteigrenzen hinaus vernetzen konnten. Gerade in Zeiten, in denen Online- und Social Media die ideologischen Gräben eher verstärken, braucht es solche integrierenden Räume.

 

Ausblick

Das heurige Jubiläumsjahr wird überschattet durch die Corona-Situation. Wie haben Sie die letzten Monate erlebt?

NARVAL: Wir haben uns auf zwei Szenarien vorbereitet: eine reduzierte Teilnehmerschaft und nur mit Speakerinnen und Speakern sowie Medienvertreterinnen und -vertretern. Eine Totalabsage kam für Präsident Fischler und mich gerade heuer im Jubiläumsjahr nicht infrage. Wenn es 1945 gelungen ist, rund 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus neun Nationen nach Alpbach zu bringen, dann müssen wir es in der heutigen Krise auch schaffen, die Fahnen zu hissen und eine den rechtlichen Rahmenbedingungen angepasste Veranstaltung auf die Beine zu stellen.

FISCHLER: Wir sind in der Schlussphase der Vorbereitungen einer besonderen Form des Forums Alpbach. Größte Herausforderung ist dabei, eine traditionell physische Veranstaltung in eine hybride digitale Form zu überführen. Wir haben uns dazu technisch durchaus ambitionierte Lösungen einfallen lassen, die weit über die derzeit gängigen Online-Konferenzlösungen, die „jedermann macht“, hinausgehen. Dafür müssen auch die Räume dahingehend adaptiert werden. Die digitale Komponente kann und soll künftig jedes Jahr Teil des Forums sein. Das bietet mehr Gestaltungsmöglichkeiten in der Abwicklung des Forums. Wir erwarten uns für heuer 5.000 bis 10.000 Online-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer. Wir probieren bei den einzelnen Veranstaltungen einige neue Formen und Formate. 2020 ist demnach ein Testjahr — die neue Führung nächstes Jahr kann dann übernehmen, was sich bewährt hat.

 

Was wird von den für heuer entwickelten Neuerungen auch in Zukunft Bestand haben?

NARVAL: Ich will dem neuen Team nicht vorgreifen, kann mir aber schon vorstellen, dass man einige Ideen fortsetzt. So hätte ich mich früher nicht getraut, einen Speaker „nur“ zuzuschalten. Ich glaube, das wird in Zukunft öfters der Fall sein, um Top-Leute zu Veranstaltungen zu bringen, ohne dass sie physisch vor Ort sein müssen. Nicht zuletzt hat das auch ökologische Vorteile, wenn für einen einzigen Vortrag jemand nicht extra eingeflogen wird. Auch kann ich mir vorstellen, dass man die immer stärker wachsende Alumni-Gruppe über die digitalen Wege ansprechen kann — schlussendlich sind auch die Zimmerkapazitäten in der Region Alpbach nicht unerschöpflich. Aber grundsätzlich steht das Forum Alpbach für das physische Treffen und die soziale Vernetzung. Das ist Sozialkapital, um das uns manche anderen Länder ein wenig beneiden.

 

BioBox

DI Dr. Franz Fischler absolvierte das Studium der Landwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien. Von 1989 bis 1994 war er als Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft tätig. Als Mitglied der Europäischen Kommission war Fischler von 1995 bis 2004 zuständig für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei. Seit 2005 bringt Franz Fischler sein Know-how in diversen Funktionen ein: Geschäftsführer der Franz Fischler Consult GmbH, Chairman der RISE Foundation in Brüssel, Berater zahlreicher Regierungen und der OECD, umfangreiche Vortragstätigkeit im In- und Ausland, Vorsitzender der Raiffeisen Klimaschutzinitiative und seit März 2012 als Präsident des Europäischen Forums Alpbach.

 

BioBox

Philippe Narval, MSc, ist im Salzkammergut aufgewachsen. Dank eines Stipendiums schloss er seine Schulbildung am Lester B. Pearson United World College in Kanada ab und absolvierte ein Bakkalaureatsstudium am King’s College in London sowie ein Masterstudium an der University of Oxford. Beruflich arbeitete Narval für mehrere internationale NGOs in Osteuropa sowie Südamerika und leistete seinen Gedenkdienst in Israel. Vor seinem Einstieg beim Europäischen Forum Alpbach war er im Kulturbereich und in der internationalen Entwicklung tätig. Seit März 2012 ist Philippe Narval Geschäftsführer bzw. seit 2019 Generalsekretär des Europäischen Forums Alpbach. Als Vortragender und Kolumnist widmet er sich regelmäßig Fragen in Bezug auf die Erneuerung unserer Demokratie, Nachhaltigkeit und Innovation. Zu diesem Themenbereich erschien 2018 sein Buch „Die freundliche Revolution“, in dem „erfolgreiche Demokratieexperimente“ aus ganz Europa beschrieben werden.

 

75 Jahre Forum Alpbach

Das Europäische Forum Alpbach wurde 1945 
unter der Bezeichnung „Internationale Hochschul­wochen“ von Otto Molden (damals Wiener Student) und Simon Moser (damals Dozent der Philosophie in Innsbruck) gegründet. Seitdem finden jährlich im August die Österreichischen Hochschulwochen, seit 1949 unter dem Namen „Europäisches Forum Alpbach“, statt. Zu den Teilnehmenden der ersten Jahre gehörten vor allem junge Menschen, die aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagiert waren. Der ebenfalls aus dem Widerstand kommende erste Landeshauptmann Tirols, Dr. Karl Gruber, gehörte zu den Helfern in der Gründungszeit des Europäischen Forums. Das Europäische Forum Alpbach hat einen wesentlichen Beitrag zum geistigen Leben Nachkriegseuropas geleistet. Insbesondere die Vermittlung zwischen Wissenschaft und Praxis war ein von Beginn an wichtiges Ziel. Das geistige Klima der Veranstaltung, fernab der Beschränk­ungen des universitären und politischen Lebens, trug zum offenen Charakter der Dialoge in Alpbach bei, der es erlaubte, auch konträre Gesprächspartnerinnen und -partner an einen Tisch zu bringen.

 

© Fotocredit: Peter Provaznik (3)

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