Rehabilitation: Ganzheitlicher Ansatz und frühzeitige Maßnahmen

Rehabilitation: Ganzheitlicher Ansatz und frühzeitige Maßnahmen

Die Erarbeitung des PRAEVENIRE Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“kommt mit 15 thematischen Gipfelgesprächen in die finale Phase. Der Auftakt erfolgte mit Expertinnen und Experten zum Themenkreis Rehabilitation, bei dem sich herauskristallisierte, dass eine erfolgreiche Rehabilitation von einem ganzheitlichen Ansatz und frühzeitig gesetzten Maßnahmen lebt. | von Mag. Petra Hafner

Mit den Gipfelgesprächen kommt die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 in die finale Phase bei der Erarbeitung des PRAEVENIRE Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“. „Ganz nach dem Leitsatz Struktur folgt Strategie werden aktuell in 15 Gipfelgesprächen die vielfältigen Inhalte und Vorschläge der Expertinnen und Experten sowie Kooperationspartner diskutiert und dann als Konsens- und Dissens-positionen formuliert. Ziel ist dabei das Erreichen eines Konsenses von zumindest 75 Prozent“, so PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling über den intensiven aktuellen Weißbuch-Prozess, der bis Mai abge-schlossen sein wird.

Der Auftakt der 15 Gipfelgespräche erfolgte mit dem Themenkreis „Rehabilitation“. Ausgehend von den Menschen — was diese wann, wo, von wem und in welcher Form benötigen — sind sich alle Expertinnen und Experten einig, dass die Rehabilitationskultur in Österreich gestärkt werden muss. Um den künftigen Herausforderungen Rechnung zu tragen, wird es notwendig sein, das Thema Rehabilitation verstärkt in den Fokus zu rücken. Eine erfolgreiche Rehabilitation lebt von einem ganzheitlichen Ansatz. Rehabilitationsmaßnahmen sollen demzufolge nicht nur frühzeitig sondern auch breiter angesetzt werden. Darüber hinaus seien zu der medizinischen auch die soziale Ebene, Alter, Bildung und Mental Health Issues zu beachten, um Menschen — beginnend bei Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen bis hin zu Seniorinnen und Senioren — eine Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen.

Onkologie  unterschiedliche Reha-Bedürfnisse

Nach Ansicht von ao. Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MMSc, MBA, Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin an der MedUni/AKH Wien gibt es bei Patientinnen und Patienten mit onkologischer Erkrankung große unterschiedliche Rehabilitationsbedürfnisse. Die größte Challenge ist, wie jemand nach der Rehabilitation Bewegung und umgestellte Ernährung in seinen Alltag integriert. Außerdem sei wichtig, dass Arbeitsmedizinerinnen und –mediziner flächendeckend über Rehabilitation Bescheid wissen.

Es braucht ein flächen-deckendes Bekenntnis zu ganzheitlicher Rehabilitation sowie für alle Patientinnen und Patienten mehr Trans-parenz darüber, in welcher Einrichtung sie die passendste Behandlung erhalten.

Eva Höltl, Koordinatorin Themenkreis Rehabilitation

Mag. Caroline Culen, PhD, Geschäftsführerin der Österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit bringt ein, dass es in Österreich zwar das Angebot einer kinder-orientierten Rehabilitation gibt, welches allerdings nicht ausreichend genützt werde, da es für Familien oft eine große Herausforderung darstelle, sich aus dem Erwerbsleben für mehrere Wochen auszuklinken. Das Angebot einer ambulanten Kinder-Rehabilitation wäre für die Nachhaltigkeit ein großer Schritt, so Culen.

Die Rehabilitationskultur muss in Österreich gestärkt werden.

Hans Jörg Schelling, PRAEVENIRE Präsident

Vernetzung und multiprofessionelle Zusammenarbeit

Mag. Wolfgang Panhölzl von der Arbeiterkammer Wien bemängelt, dass das Schnittstellenmanagement bei der Rehabilitation nicht ausreichend funktioniert. „Die Ange-bote müssen besser vernetzt werden“, so seine Forderung. Zwar gebe es in Österreich einen Rechtsanspruch auf Rehabilitation, dieser sei aber zu spät angesetzt, beanstandet Panhölzl. Wesentlich wäre ein gesamthafter Plan mit konkreten Forderungen und Ziel-setzungen.

Mag. Roman Pöschl, Geschäftsführer der BBRZ Reha und BBRZ Med, hebt hervor „dass Rehabilitation nur ein Baustein sein kann. Wir müssen an vielen Rädern drehen und mutige Schritte setzen.“

Für die Generalsekretärin des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, Mag. Michaela Langer, ist eine multiprofessionelle Zusammenarbeit aller Berufsgruppen wesentlich.

Jugendliche  Mental Health Issues

Mag. Georg Ziniel, MSc, ehemaliger Geschäftsführer von Gesundheit Österreich legt sein Hauptaugenmerk auf Jugendliche mit Mental Health Issues, die beim Übergang von der Schule zur Arbeitswelt große Probleme haben oder die berufliche Ausbildung nicht schaffen. Hier fehle ein Konzept einer ambulanten integrativen medizinisch-therapeutischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation. „Eltern sind vor allem bei psychischen Erkrankungen ratlos und brauchen in dieser Situation qualitative Unterstützung“, unterstreicht Ziniel. Dass Angehörige unterstützt werden müssen, ist auch nach Ansicht von Generalsekretärin Langer essentiell, insbesondere wenn es sich um pflegende Angehörige handelt.

Telemedizin und Telereha

Die Nutzung moderner Technologien in der Rehabilitation eröffnet neue Möglichkeiten insbesondere im niederschwelligen Angebot. Für Crevenna können Angebote wie individualisierte orthopädische Übungen via App eine zusätzliche Unterstützung sein, das Persönliche aber nicht ersetzen. Auch nach Einschätzung von BBRZ-Geschäftsführer Pöschl sei Telereha als Bindeglied gut, werde aber die klassischen Angebote nicht ersetzen. Ein Positivbeispiel der nachhaltigen Tele-Intervention sei die Raucherentwöhnung, so Langer. Ihrer Ansicht nach sei der Dreiklang stationär — ambulant — Telereha eine sinnvolle Abfolge. Telemedizin kann für einen Beziehungsaufbau wie z. B. beim Tabu-Thema Magersucht als niederschwelliger Einstieg dienen.

Der Staat müsse erkennen, wie wichtig Rehabilitation für Menschen ist, so der einhellige Tenor der Expertinnen und Experten beim Gipfelgespräch „Rehabilitation“ der PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030.

Bis Ende April werden zu den einzelnen Themenkreisen die abschließenden Gipfelgespräche stattfinden. Im Mai erfolgt durch PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg 
Schelling die Übergabe an die Bundesregierung und die Landesregierungen sowie die Präsentation und Diskussion des Weißbuchs „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ (Version 2020) im Rahmen der 5. PRAEVENIRE Gesundheitstage im Stift Seitenstetten.

Themenkreis Rehabilitation

Für das Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“ wirken u. a. mit:

Dr. Gerald Bachinger
Mag. Christian Breitfuss
ao. Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, MMSc, MBA
Mag. Caroline Culen, PhD
Dr. Christoph Dachs
Prim. Univ.-Doz. Dr. Michael J. Fischer
Dr. Roland P. Frank
Prim. Dr. Marco Hassler
Dr. Eva Höltl
HR Dr. Thomas Holzgruber
Andreas Huss, MBA,
Andreas Kolm, MA LL.M.
Prim. Dr. Matthias König
Mag. Caroline Krammer
Mag. Michaela Langer
Mag. pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr
Mag. Wolfgang Panhölzl
Mag. Jan Pazourek
Dr. Sigrid Pilz
Mag. Roman Pöschl
Dr. Georg Psota
Dr. Erwin Rebhandl
Hon.-Prof. (FH) Dr. Bernhard Rupp
Dr. Martin Skoumal
Prim. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl
Univ.-Doz. Dr. Georg Spiel
ao. Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Mag. Alexandra Wunderl
Mag. Georg Ziniel, MSc

Stand: 28. Februar 2020

Fotocredit: Peter Provaznik

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