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PRAEVENIRE WIRD PANALPIN – Servus Schweiz

© PRAEVENIRE SCHWEIZ

PRAEVENIRE WIRD PANALPIN – Servus Schweiz

© PRAEVENIRE SCHWEIZ

Die PRAEVENIRE Schweiz Gesundheitsplattform wurde am 14. September in Zürich vor 70 teilnehmenden Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitswesen aus der Taufe gehoben. Die Gäste erlebten einen inspirierenden Nachmittag mit spannenden Keynotes. „Bottom-Up Optimierung statt Topdown-Maximierung“ mit Fokus auf den Menschen ist der Ansatz von PRAEVENIRE SCHWEIZ, Risikominderung die Essenz. Dazu gehört insbesondere auch die Abkehr von der demotivierenden Zerstörung des Vertrauens in die Qualität und den Einsatz der Leistungserbringerinnen und Leistungserbringer auf allen Ebenen.

Prävenire bedeutet Zuvorkommen. Die Schweiz hat – noch – ein hervorragendes Gesundheitssystem auch in der Wahrnehmung der Menschen in diesem Land, was die Qualität und den Outcome anbelangt. Das System ist mangelhaft, was die Gesundheitskompetenz und dadurch die Voraussetzung für den Umgang mit e-Tools, das Verständnis für Prävention (vor allem Sekundärprävention) anbelangt. Das System ist schlecht was den Regulierungswahn, die ausufernde, teilweise sinnbefreite Bürokratie anbelangt und die fehlende Bereitschaft der Politik zu erkennen, dass Konzepte ganzheitlich angelegt sein müssen, wir letztlich nur mit Respekt, Vertrauen und Wertschätzung einen Ausweg aus diesem Labyrinth finden können.

Schicksalshafte Begegnungen

Am 14. September drückten Stefan Wild und Max Winiger den Startknopf und stellten das Konzept von PRAEVENIRE SCHWEIZ vor. Ein Konzept, das die beiden in den letzten drei Jahren in ihrer Freizeit entwickelt und verfeinert hatten. Ein Konzept, das letztlich auf schon beinahe schicksalshaften Verknüpfungen basiert: Max Winiger lernte 2019 zufällig DDr. Wolfgang Wein in einem Lokal in Wien kennen. Ein Jahr später trafen sich die beiden im Corona-bedingt fast leeren Stift Seitenstetten an den PRAEVENIRE Gesundheitstagen wieder. Max Winiger war erstmals da auf Empfehlung von Mag. Hanns Kratzer. Die beiden kennen sich beruflich. Wolfgang Wein stellte Max Winiger Robert Riedl vor. Im Mai 2021 saßen Stefan Wild und Max Winiger bei Robert Riedl an der Lazarettgasse in Wien und bauten das panalpine Konzept. Jetzt steht die Brücke zwischen Österreich und der Schweiz. PRAEVENIRE wird panalpin als vielleicht erste länderübergreifende Plattform in dieser Form in Europa überhaupt.

Stefan Wild und Max Winiger verfolgen die Entwicklungen im Schweizer Gesundheitswesen seit Jahrzehnten. Stefan Wild ist heute unter anderem Vorstandsmitglied beim Apotheken-Dachverband  pharmaSuisse und bei der Interessensgemeinschaft IG eHealth, Max Winiger ist Kommunikationsberater und Journalist im Healthcare-Bereich, war Mitglied der Arbeitsgruppe des damaligen Gesundheitsministers zur Entwicklung der Palliativstrategie des Bundes.

Vergleichbare Kulturen

Zwar sind die beiden Gesundheitssysteme der Schweiz und Österreichs grundlegend verschieden. Aber die Kulturen sind vergleichbar, die Sympathien sind da. Österreicher schätzen Schweizer. Und umgekehrt. Beide Länder sind in Sachen medizinischer Forschung und Expertise international führend. Die Gesundheitssysteme in beiden Ländern sind gut bis sehr gut, auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Immer mehr Konzerne erkennen, dass ACH besser ist als DACH und bauen ihre Managementstrukturen um, nutzen Skalierungseffekte. In Österreich und in der Schweiz leben 18 Mio. Menschen. Beide Länder investieren jährlich rund 145 Mrd. Euro in ihre Gesundheitssysteme (CH 95 Mrd., AT 50 Mrd.). Im Bereich Market Access besteht Potenzial durch die Bildung panalpiner Allianzen. Für österreichische Unternehmen ist der Schweizer Markt interessant.

Fokus auf den Menschen – nicht auf die Kosten

PRAEVENIRE SCHWEIZ ist autonom. Die Partnerschaft mit PRAEVENIRE bleibt locker und pragmatisch. Beide Plattformen haben nun jedoch eine Brücke etabliert, die von interessierten Organisationen und Unternehmen genutzt werden kann. denn beide Plattformen haben denselben Fokus: den Menschen und seine Bedürfnisse in Zusammenhang mit Gesundheit, Prävention, Krankheit, medizinischer Betreuung, Rehabilitation und Pflege.

Max Winiger bringt es auf den Punkt: „Viele reden von Patient Centricity. Oft ist das aber nur Marketing und keine wirkliche Überzeugung. Der Fokus liegt in der Schweiz ausgerechnet bei den Behörden, den Krankenkassen, den Politikern nicht auf dem Menschen, sondern nur auf den Kosten, dem Geld. Die Qualität wird nicht verbessert, sondern verschlechtert. Mit noch mehr Bürokratie, noch mehr sinnloser Regulierung, noch weniger Fachkenntnis und vor allen noch mehr Misstrauen und Silodenken. Das wollen wir ändern.“

Ganzheitliche Plattform mit 6 Kernthemen

PRAEVENIRE SCHWEIZ ist ganzheitlich und unabhängig. Interessierte Partner, Organisationen, Unternehmen aus allen Bereichen sollen sich bereichsübergreifend austauschen mit Fokus auf eine ganzheitliche Betrachtungsweise und entsprechende Lösungsansätze.

Am Launch-Event baute PRAEVENIRE SCHWEIZ bereits die erste Brücke: Dr. Franz Leisch, einer der Väter (wenn nicht der Vater) von ELGA stellte die österreichische Version des elektronischen Patientendossiers (EPD) vor. In der Schweiz wurde das Projekt EPD vom Bund gestartet, als Steve Jobs das iPhone der Weltöffentlichkeit vorstellte. Das erste iPhone…

Bis heute hat es die Schweiz nicht geschafft, das EPD umzusetzen. Dr. Leisch sauste im Schnellzugstempo durch ELGA und zeigte dem Publikum: man muss nicht immer Best Cases in Dänemark oder Skandinavien suchen. Zumindest in Sachen elektronischer Gesundheitsakte reicht der Blick ins Nachbarland. In der Schweiz unternimmt die Post einen neuen Anlauf, das EPD in die Gänge zu bringen. PRAEVENIRE SCHWEIZ hat den Kontakt noch am Launch Event etabliert.

Der Konzept-Aufbau ist logisch: Es braucht zuallererst (Gesundheits)Kompetenz, um mit (e-)Tools umgehen zu können. Erst wenn diese richtig angewendet werden, können erfolgreich Prävention (Primär-oder Sekundärprävention) und Vorsorgemaßnahmen umgesetzt werden. Die nachhaltige Qualität der medizinisch-pharmazeutischen Versorgung und der Pflege ist nur gewährleistet bei einer Vernetzung auf Augenhöhe mit gegenseitiger Wertschätzung über sämtliche Bereiche hinweg (Grundversorgung, Spezialisten, Pflege, Apotheke, Ernährungsberatung, Rehabilitation etc.). Der Erfolg einer Behandlung basiert auf von allen getragenen Entscheidungen und einer Einhaltung respektive konsequenten Umsetzung gemeinsam definierter Prozesse. Palliative Care muss endlich ein schweizweit voll integrierter Teil unseres Gesundheitssystems sein ohne Wenn und Aber.

Bottom-Up Optimierung statt Top-Down- Maximierung

Die Plattform sucht nicht Beispiele zur Maximierung innerhalb eines definierten Bereichs, sondern fokussiert auf Menschen und Optimierung. Es gibt in diversen Bereichen relevante Optionen, die Gesundheit eines Menschen zu optimieren, zum Beispiel durch Maßnahmen im Bereich der Harm Reduction. Solche Maßnahmen sind nicht nur sinnvoll für die Betroffenen. Sie entlasten auch das Gesundheitssystem. Das erfordert jedoch die Bereitschaft, Zwischenschritte zu akzeptieren.

Palliative Care ist die Optimierung der Lebensqualität unheilbar kranker Menschen am Lebensende. Die betroffenen Menschen leben und haben ein Grundrecht auf eine optimale Versorgung bis zum Lebensende.

Der PRAEVENIRE SCHWEIZ-Ansatz unterscheidet sich in fünf wesentlichen Punkten von allen anderen:

  1. Wir denken und handeln bottom-up. Wir legen den Fokus auf die Interaktion zwischen Fachperson und Patient/Klient und betrachten diesen Makrobereich. Denn das ist der Ort, wo sich die Qualität des Systems zeigt, wo sich gleichzeitig auch die Rahmenbedingungen der Top down-Maßnahmen auswirken. Positiv oder negativ. Und von wo aus menschenfokussierte sowie systemische Optimierungen ausgelöst werden sollten.
  2. Wir sind unabhängig. Die PRAEVENIRE SCHWEIZ-Plattform basiert auf Partnerschaften, gegenseitigem Respekt, Toleranz und Innovation. PRAEVENIRE SCHWEIZ ist als gemeinnütziger Verein gegründet.
  3. Wir sind nachhaltig: unsere sechs Kernthemen bleiben für die nächsten Jahre so stehen. In der Zeit stellen wir Beispiele, Cases vor, portraitieren Menschen, Initiativen und begleiten diese über die Zeit. Wir berichten auch über das Scheitern eines Falls und analysieren die Gründe.
  4. Wir kommunizieren. Wie oft sind Themen eines Referats vergessen, kaum ist der Applaus verhallt? Wir bauen einen kuratierten Blog auf und berichten laufend. Dadurch werden wir auch zu einer Quelle für Hintergrundinformationen für die Medien.
  5. Wir sind keine Konkurrenz zu bestehenden Plattformen oder Veranstaltungen, sondern eine Ergänzung mit dem Ziel, die Vernetzung bereichsübergreifend zu fördern und so einen Beitrag gegen die inzwischen gefährliche Fragmentierung in unserem Gesundheitswesen zu leisten.

Save the Date: 19. September 2024

Der 14. September liegt schon über drei Monate zurück. PRAEVENIRE SCHWEIZ hat in der Zwischenzeit mit sechs interessierten Organisationen und Unternehmen weitere Gespräche geführt. Das Interesse ist groß. Das Konzept stimmt und gefällt. Die Schweiz ist aber mehrsprachig. PRAEVENIRE SCHWEIZ will die Westschweiz ebenfalls erreichen. Daher wird der nächste PRAEVENIRE SCHWEIZ Event voraussichtlich in der Bundeshauptstadt Bern stattfinden, an der Grenze zur frankophonen Schweiz: am 19. September 2024. Save The Date.

Link zur Website praevenire-schweiz.ch

Was seit dem 14. September geschah

Die Dynamik im Schweizer Gesundheitswesen ist unglaublich groß. Hier eine kurze Zusammenfassung, was in der kurzen Zeit alles geschehen ist. Mit weitreichenden Folgen für die künftige Entwicklung. Aber auch mit großen Chancen, die Entwicklung mitzugestalten. Mit PRAEVENIRE.

  • 12 Tage nach dem Launch-Event von PRAEVENIRE SCHWEIZ, am 26. September, verkündete der Gesundheitsminister, Bundesrat Alain Berset, die Erhöhungen der Krankenkassenprämien ab 2024. Die Prämien steigen pro Kopf je nach Wohnort und Versicherungsmodell im Durchschnitt um rund 9 Prozent. Zum Verständnis: 2024 bezahlt eine Familie mit zwei minderjährigen Kindern im Monat im Durchschnitt 1’100 Euro Krankenkassenprämien. In der Schweiz bezahlt jeder Einwohner diese Prämien selber. Menschen mit geringem Einkommen erhalten Prämienverbilligungen. Die Summe dafür beläuft sich auf über 5 Mrd. Euro im Jahr. Aber auch bei den Verbilligungen gilt: jeder der 26 Kantone setzt das anders um.
  • Ende Oktober wählte die Schweizer Bevölkerung die Mitglieder des Ständerats (Vertreter Kantone) und des Nationalrats (Vertreter Volk) für die kommenden vier Jahre. Tendenziell erfolgte ein leichter Rechtsrutsch wobei insbesondere die SVP (Schweizerische Volkspartei) zulegen konnte. Die Grünen haben Anteile verloren. Aber in der Schweiz sorgt der Föderalismus dafür, dass extreme Bewegungen ausbleiben.
  • Anfang November verkündete die Krankenkasse KPT den Austritt aus dem Krankenkassenverband Curafutura per Ende Jahr. Die KPT hat rund 600.000 Versicherte und gilt als agile, dynamische Kasse. In der Schweiz gibt es 44 Krankenkassen, die in zwei Verbänden organisiert sind. Mit dem Austritt erhöht die KPT das strukturelle Chaos. Kenner der Szene vermuten, dass dies erst der Anfang ist und sich die Krankenkassenlandschaft in der Schweiz weiter verändern wird.
  • Am 17. November protestierten 10.000 Physiotherapeutinnen und -therapeuten in Bern vor dem Bundeshaus gegen eine Tarifrevision und reichten zwei Petitionen mit 284.000 Unterschriften ein. In der Schweiz werden national nur die Medikamentenpreise und die Tarife der Physiotherapeuten geregelt. Alles andere wird kantonal definiert. Die Physiotherapeuten wehren sich gegen eine miserable Bezahlung, die nun noch schlechter werden soll.
  • Am 22. November hat der Bundesrat seinen neusten Anlauf vorgestellt, um die Digitalisierung in der Schweiz doch noch zu meistern: DigiSanté. Bis 2034 soll der Rückstand der Schweiz in der Digitalisierung des Gesundheitswesens aufgeholt werden.
  • In seiner aktuellen Wintersession befasst sich das Parlament mit Efas. Efas steht für „Einheitliche Finanzierung Ambulant und Stationär“ und gilt als größte Reform im Gesundheitswesen seit langem. Vor bald 14 Jahren lancierte die Alt-Nationalrätin Ruth Humbel einen Vorstoß, um die Finanzierung der ambulanten (extramural) und stationären (intramural) Leistungen zu vereinheitlichen. Heute teilen sich Kanton und Krankenkasse bei einem stationären Aufenthalt im Spital die Kosten je hälftig. Wird ein Patient ambulant behandelt und kann am selben Tag das Spital wieder verlassen, trägt die Kasse 100 % der Kosten. Der Kanton freut sich über die Kosteneinsparung. Gleichzeitig bleibt aber das Bett im Spital leer und er hat Ende Jahr ein Defizit, wenn immer mehr Patienten ambulant behandelt werden. Im Parlament wird hin und her diskutiert. Der Ausgang ist bei Redaktionsschluss ungewiss.
  • Am 13. Dezember wählte die Bundesversammlung (beide Kammern) den Basler Regierungsrat Beat Jans (SP) zum Nachfolger des abtretenden Bundesrats und Gesundheitsministers Alain Berset. Bereits einen Tag später erfolgte die Departement Zuteilung. Beat Jans muss das unbeliebte Justizdepartement übernehmen. Elisabeth Baume-Schneider (SP) wird neu Innenministerin und damit auch Gesundheitsministerin. Sie wurde erst vor einem Jahr in die Landesregierung gewählt. Kenner zweifeln daran, dass die neue Gesundheitsministerin konstruktive Impulse im Gesundheitswesen auslösen kann und rechnen mit dem Schlimmsten.

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