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OEGO-Zertifiziert: Das Qualitätssiegel der Osteopathie

© Krisztian Juhasz

OEGO-Zertifiziert: Das Qualitätssiegel der Osteopathie

© Krisztian Juhasz

Ab sofort gibt es ein optisches Zeichen für Qualität in der Osteopathie. Es weist jene Osteopathinnen und Osteopathen deutlich erkennbar aus, welche die hohen Qualitätskriterien der Österreichischen Gesellschaft für Osteopathie (OEGO) erfüllen. Damit setzt die OEGO ihre Qualitätsoffensive konsequent fort und bietet Interessentinnen und Interessenten eine Orientierung bei der Suche nach Osteopathinnen und Osteopathen. Die Präsidentin der OEGO Margit Halbfurter, MSc, D. O. gab im Gespräch mit PERISKOP Auskunft über die Beweggründe.

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Carola Bachbauer, BA

Periskop-Redakteurin

Dem Ziel, ein gesetzlich anerkannter und geschützter Gesundheitsberuf zu werden, kommt die OEGO durch gezielte Maßnahmen immer näher. Am Weg dorthin setzt sie klare und deutliche Zeichen hinsichtlich Behandlungsqualität und Patientensicherheit.

PERISKOP: Die Zahl der in Anspruch genommenen osteopathischen Behandlungen ist im Steigen begriffen. Womit befassen sich Osteopathinnen und Osteopathen im Detail?

Halbfurter: In Österreich führen 1.500 bis 2.000 Osteopathinnen und Osteopathen rund 30.000 Behandlungen pro Woche durch. Wie viele Österreicherinnen und Österreicher die Osteopathie in Anspruch nehmen, zeigt eine Umfrage der Statistik Austria aus dem Jahre 2019. Laut dieser suchen 10 Prozent aller über 15-Jährigen mindestens einmal im Jahr eine osteopathische Behandlung auf. Zu diesen kommen noch zahlreiche kinderosteopathische Behandlungen hinzu. Die Zahlen veranschaulichen die hohe Nachfrage und wichtige Rolle der Osteopathie für die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten. Der Ansatz der Osteopathie ist sehr komplex, einfach zusammengefasst lässt er sich jedoch wie folgt erklären: Osteopathinnen und Osteopathen arbeiten ausschließlich manuell und verwenden dabei keinerlei Hilfsmittel. Wir beschäftigen uns mit allen Körperstrukturen, das heißt Knochen, Muskeln, Gelenken, Faszien, Nerven und Organstrukturen. Zusätzlich integrieren wir das Wissen der verschiedenen Systeme des Körpers, also neurologisches, metabolisches, respiratorisches, biomechanisches System, in unsere Befundung und Behandlung. Das ist auch der Grund, warum wir bei chronischen Schmerzen so gute Erfolge erzielen können. Osteopathie beinhaltet den kompletten Umfang sämtlicher mobilisierender und manipulativer Techniken aller Gelenke, inklusive der Wirbelsäule. Aufgabe ist es, mit Hilfe des speziell geschulten Tastsinns Funktionsstörungen im menschlichen Körper zu suchen und ihn wieder in eine Selbstregulation zu bringen. Ebenso gehört zur Osteopathie das Verständnis der Anatomie und Physiologie der Organe, des Aufhängungsapparates, möglicher struktureller Zusammenhänge und wechselseitiger Beeinflussung anderer Körpersysteme. Die Osteopathie arbeitet auf Basis der Schulmedizin und geht von einem salutogenetischen anstelle eines pathogenetischen Ansatzes aus. Im Zentrum steht daher die Frage der Entstehung (Genese) und Erhaltung von Gesundheit (Salus). In 13 europäischen Ländern wird das Berufsbild der Osteopathin bzw. des Osteopathen als primärer Gesundheitsberuf anerkannt, darunter Frankreich, Portugal, Schweiz, Liechtenstein, Malta, Island, Finnland, Großbritannien, Zypern, Luxemburg, Dänemark, Italien und Norwegen. Nur in Österreich ist der Beruf der Osteopathin bzw. des Osteopathen nicht geschützt. Das führt dazu, dass sich jede und jeder in Österreich Osteopathin oder Osteopath nennen kann und es keine verbindlichen Qualitätsrichtlinien in der Behandlung gibt. Im Sinne der Qualitätssicherung und vor allem im Sinne unserer Patientinnen und Patienten ist es notwendig, die Osteopathie als eigenständigen, gesetzlich anerkannten Gesundheitsberuf in unserem System zu verankern. Patientinnen und Patienten haben das Recht auf höchste Behandlungsqualität.

Im Sinne der Qualitätssicherung und Patentensicherheit ist es notwendig, die Osteopathie als eigenständigen, gesetzliche anerkannten Gesundheitsberuf zu verankern.

PERISKOP: Welche Schritte unternimmt die OEGO, um die Qualität der osteopathischen Behandlung in Österreich zu steigern?

Halbfurter: Die zwei großen Handlungsmaximen sind die Schaffung von Evidenz und von Patientensicherheit. Diese beiden Faktoren sollen uns unserem obersten Ziel der Anerkennung des Berufsbildes näherbringen. Um dies zu erreichen, haben wir in den letzten Jahren wesentliche Schritte gesetzt. Neben der Ausarbeitung eines dem internationalen Standard entsprechenden Ausbildungscurriculums haben wir bei der Med Uni Graz eine Studie zur wissenschaftlichen Evidenzprüfung der osteopathischen Behandlung in Auftrag gegeben. Darüber hinaus wurden bereits im Vorjahr im Rahmen eines virtuellen Expertisemeetings mit Ärztinnen und Ärzten aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen der Stellenwert der Osteopathie auf Basis der vorliegenden wissenschaftlichen Evidenz diskutiert sowie Einsatzbereiche und Indikatoren identifiziert, bei denen die Osteopathie von großem Nutzen sein kann. Zusätzlich wurden Maßnahmen ausgearbeitet, welche die Zusammenarbeit zwischen Osteopathinnen bzw. Osteopathen und den Vertretern anderer Gesundheitsberufe erleichtern soll. Um die Patientensicherheit weiter zu steigern, haben wir heuer die Behandlungsleitfäden präzisiert. Gerade die umfassende Aufklärung über Therapieziele und -abläufe sind unerlässliche Bausteine der Patientensicherheit und Behandlungsqualität. Nun haben wir uns dazu entschlossen, die Standards der OEGO auch optisch klar zum Ausdruck zu bringen und dafür ein Qualitätssiegel entwickelt.

Durch seine starke, einprägsame Symbolik wird das neue OEGO-Logo, das zugleich auch Qualitätssiegel ist, den Menschen schnell ein Begriff werden.

PERISKOP: Welche Kriterien sind an die Vergabe des Qualitätssiegels gebunden?

Halbfurter: Wir wollen, dass die Patientinnen und Patienten in Österreich nach besten Standards behandelt werden. Das setzt voraus, dass unsere Mitglieder über entsprechende akademische Ausbildungen (CEN-Standards sind die europäische Leitlinie) verfügen. Konkret heißt das, dass sie neben ihrer ärztlichen Approbation oder dem Abschluss im Bereich Physiotherapie noch eine 1.500 bis 2.000 Stunden umfassende theoretische und praktische Ausbildung absolviert haben, die mit einem Mastertitel abschließt. Zusätzlich müssen Osteopathinnen und Osteopathen, die das OEGO-Qualitätssiegel künftig führen wollen, neben den strengen Ausbildungskriterien auch die osteopathischen Standards der OEGO anerkennen. Mit diesen klaren Qualitätskriterien grenzen wir uns im Sinne der Patientensicherheit von Trittbrettfahrerinnen und -fahrern und oftmals gleichlautenden esoterischen Praktiken ab. Das Qualitätssiegel der Osteopathie wirkt somit in zwei Richtungen: Es gibt jenen Menschen, die eine osteopathische Leistung in Anspruch nehmen möchten, einen Hinweis über die Qualität der Leistung, die sie erhalten. Gleichzeitig zeichnet es jene Osteopathin und jenen Osteopathen aus, die oder der nach den strengen Kriterien der OEGO zertifiziert ist.

PERISKOP: Wie können OEGO-zertifizierte Osteopathinnen, Osteopathen gefunden werden?

Halbfurter: Osteopathinnen und Osteopathen, die mit dem OEGO-Zertifikat ausgezeichnet sind, können über die OEGO-Website www.oego.at gefunden werden. Des Weiteren lassen sie sich an dem Qualitätssiegel auf deren Website bzw. Visitenkarte erkennen. Zusätzlich erhalten sie eine Zertifizierungsurkunde für die Praxis. Nur zertifizierte Osteopathinnen und Osteopathen sind berechtigt, das Qualitätssiegel in Kombination mit der Mitgliedsnummer der OEGO auf ihren Praxis- und Arbeitsunterlagen zu führen. Wichtig ist hervorzuheben, dass das Qualitätssiegel ausschließlich in Verbindung mit der angeführten Mitgliedsnummer gültig ist. Mit dieser Maßnahme und den weiterhin intensiven Bemühungen hinsichtlich der Umsetzung unserer drei Kernziele – gesetzliche Anerkennung als Gesundheitsberuf, Sicherung höchster Aus- und Weiterbildung sowie niederschwelliger Zugang zu osteopathischen Behandlungen auf Kassenleistung – setzen wir einen weiteren Schritt für die Qualitätssicherung und die Patientensicherheit in der Osteopathie. Für alle zertifizierten Mitglieder, die das möchten, stellen wir ein komplettes, auf das Qualitätssiegel für Osteopathie ausgerichtetes Design zur Verfügung, das mit den Praxisdaten des jeweiligen Mitglieds personalisiert wird.

Das Qualitätssiegel der Osteopathie wirkt in zwei Richtungen: Es dient den Menschen als Orientierungshilfe bezüglich Qualität und zeichnet jene Osteopathinnen und Osteopathen aus, die nach den strengen Kriterien der OEGO zertifiziert sind.

PERISKOP: Was ist das Besondere am Qualitätssiegel für Osteopathie?

Halbfurter: Es repräsentiert zugleich auch das neue Logo der Österreichischen Gesellschaft für Osteopathie und verkörpert durch die geschwungene Anordnung der drei Logo-Elemente einen Grundsatz der Osteopathie: Das Leben stellt sich in Form von Bewegung dar. Alles muss beweglich sein. Das bedeutet, jede Struktur im Körper braucht Bewegungsfreiheit. Deshalb stand für uns fest, dass das neue Logo Bewegung und Qualität ausdrücken soll. Durch seine starke und einprägsame Symbolik wird es den Menschen schnell ein Begriff werden und ihnen das Erkennen von OEGO-zertifizierten Osteopathinnen und Osteopathen einfach machen.

Der OEGO-Vorstand freut sich, mit dem Qualitätssiegel für Osteopathie einen weiteren wichtigen Schritt für die Qualität und Patientensicherheit in der Osteopathie zu setzen.

PERISKOP: Sie haben zuvor schon die aktuelle Studie der Med Uni Graz angesprochen, deren Ergebnisse bei den PRAEVENIRE Gesundheitsgesprächen in Alpbach präsentiert wurden. Welche Auswirkung hat die Studie auf die Mitglieder der OEGO und welche Reaktionen hat sie national und international hervorgerufen?

Halbfurter: Das große Interesse an der Studie, zum einen von unseren Mitgliedern, zum anderen auch von der Ärzteschaft, freut uns sehr. Auch unsere deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen sowie Verbände haben den Kontakt mit uns aufgenommen und wollen die gewonnenen Ergebnisse verwerten. Die Studie hat bestätigt, was wir auch tagtäglich in der Praxis sehen: Die Patientinnen und Patienten profitieren von der Osteopathie. Diesen Evidenznachweis hat die Studie für eine Reihe von Indikationen erbracht. Die Med Uni Graz ist gerade dabei, den diesbezüglichen Bericht in einem englischsprachigen Journal zu publizieren. Das wird in den nächsten Monaten passieren und dann hoff en wir, auch internationales Interesse wecken zu können. Wir wissen aber, dass es weiterer Forschung und Studien bedarf, um noch bestehende Evidenzlücken zu schließen. Um unser Bestreben, ein gesetzlich anerkannter Beruf zu werden, voranzutreiben, sind weitere Gespräche mit der Ärzteschaft, aber vor allem mit dem Ministerium erforderlich. Grundsätzlich sehe ich vielversprechende Signale. Denn sowohl der Gesundheitsminister Johannes Rauch als auch der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse Andreas Huss, MBA haben sich in den letzten Wochen dezidiert positiv für die Osteopathie ausgesprochen.

Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Osteopathie (alphabetisch):
  • Margit Halbfurter

  • Thomas Marschall

  • Nina Mittendorfer

  • Sebastian Soika

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