Herzensgrüße an den Schweinehund – Starke Muskeln schützen das Herz

© Peter Provaznik (2), Shutterstock (2), Delta X Verlag

Herzensgrüße an den Schweinehund – Starke Muskeln schützen das Herz

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Kluge Muskeln | Folge 10

Hand aufs Herz: Was haben Sie heute schon für Ihre Fitness getan? Ihre Yogamatte ausgerollt? Den neunten Trainingsplan in Excel erstellt? Den Schweinehund Gassi geführt? Wie schwer fällt es uns doch manchmal, ins Tun zu kommen. Dabei ist das Wunderwerk Körper ein immens dankbarer Begleiter mit genügsamen Bedürfnissen nach Bewegung und Kräftigung. Ihre Muskeln reagieren auf Bewegungsreize auf ganz unterschiedliche Weise: Der Muskelstoffwechsel wird angeregt, Myokine werden ausgeschüttet, vielzählige Anpassungsprozesse werden ausgelöst. Die Zellkraftwerke in den Muskelzellen – die so genannten Mitochondrien – beginnen sich zu spalten. Dadurch können Sie Zucker und Fett besser verbrennen. Im selben Atemzug kommunizieren Ihre Muskeln mit dem Herzkreislaufsystem. Auf das Herz wirkt sich Bewegung besonders positiv aus – und das idealerweise im Zusammenspiel von Krafttraining und Ausdauersport.

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Dr. Andreas Stippler, MSc, Facharzt für Orthopädie und orthopädische chirurgie

Ihr Herz ist ein Muskel der ganz besonderen Art: Das muskulöse Hohlorgan zählt – ebenso wie die Skelettmuskeln – zu den quergestreiften Muskeln. Durch Bewegungsreize lernt das Herz effizienter zu arbeiten. Schon nach wenigen Wochen regelmäßiger Bewegung braucht es für dieselbe Leistung weniger oft zu schlagen. 

Bei sehr gut trainierten Menschen sinkt die Herzfrequenz (im Ruhezustand) von 60 bis 90 Schlägen pro Minute auf 40 bis 50 Schläge pro Minute. 

Wir können unser Herz willentlich zwar nicht beeinflussen, aber mit Bewegung durchaus “in Form” bringen. Die wertvollen Anpassungsprozesse ziehen noch weitere Kreise. Durch Training vergrößert sich das Herz und kann nun pro Herzschlag mehr Blut durch die Körpergefäße pumpen. Dabei kann das Schlagvolumen fast bis auf das Doppelte ansteigen. Menschen, die regelmäßig und intensiv Ausdauersport betreiben, pumpen so bis zu 35 Liter Blut pro Minute durch den Körper, was sich wiederum hervorragend auf die Zellen auswirkt. Diese können so in ihren Mitochondrien bzw. Zellkraftwerken mehr Fett verbrennen und gleichzeitig den so wertvollen Energieträger Adenosintriphosphat (ATP) herstellen. Einfach gesagt: Ist viel ATP vorhanden, ist die Zelle besonders aktiv. Ist kein ATP vorhanden, stirbt die Zelle ab. 

Ein weiterer Pluspunkt: Durch gekräftigte Muskeln stabilisiert sich der Blutdruck. Gut trainierte Muskeln, die regelmäßig bewegt werden, senken das Risiko für Bluthochdruck um 30 bis 50 Prozent. Zudem wird die Neubildung von Kapillaren, den kleinsten Blutgefäßen, angeregt. Doch es wird noch besser: Im Blut vermehren sich die roten Blutkörperchen, wodurch mehr Sauerstoff transportiert und die Körperzellen besser mit Nährstoff en versorgt werden können. Eine regelmäßige Ausschüttung von Myokinen, den Muskelbotenstoff en der Bewegung, stellt auch einen sehr wirksamen Schutz vor Arterienverkalkung und koronaren Herzerkrankungen dar, denn diese dämpfen unter anderem die Ausschüttung von Entzündungsfaktoren aus dem Fettgewebe. All diese positiven Effekte sind nicht nur gesunden Menschen vorbehalten. Wir wissen heute, dass es für Herzpatientinnen und Herzpatienten immens wichtig ist, Ausdauertraining und moderates Krafttraining zu betreiben. 

In der Rehabilitation von Herzpatientinnen und Herzpatienten haben sich in den letzten Jahren dazu neue Trainingsarten etabliert, wie zum Beispiel dynamisches Krafttraining, aber auch hochintensives Intervalltraining. Durch dieses sportliche Zusammenspiel gesunden die Patientinnen und Patienten schneller und leben länger. Im 20. Jahrhundert hat man Herzinfarktpatientinnen und -patienten noch absolute Ruhe verordnet. Aus Sicht der heutigen Forschung war das jedoch ein völlig fehlgeleiteter Ansatz, denn falsch verstandene Schonung ist das Schlechteste, was man Menschen mit Herzerkrankungen antun kann. 

Eines sei Ihnen ans Herz gelegt: Wollen Sie Ihrem Körper so richtig etwas Gutes tun, dann bringen Sie ihn ordentlich ins Schwitzen. Der sonntägliche Spaziergang ins Grüne ist gut, aber für Ihre Muskeln, die bewegt und gestärkt werden wollen, nicht ausreichend. Toben Sie sich aus, gehen Sie an, aber nicht über Ihre Grenzen und vor allem – folgen Sie wieder Ihrem Herzen.

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